Ansehen gibt Ansehen Oder: Es wird Zeit, den Zahlen Gesichter zu geben

Das Volk der Dichter und Denker mutiert in Zeiten der Corona-Pandemie zu Zahlenjongleuren. Dabei werden im Umgang mit Statistiken nicht nur gerne Kausalitäten mit Korrelationen verwechselt. Statistiken haben auch eine enorm beruhigende Wirkung, indem sie Chaotisches und Unbeherrschbares übersichtlich in Zahlenform anästhetisieren. Dabei steckt hinter jeder Zahl ein Mensch und sein individuelles Leben.

Gehorsam folgsam oder freiwillig einsichtig Neutestamentliche Überlegungen über kindliche Sicherheitsbedürfnisse und reife Mündigkeit

Freiwilliger Gehorsam? - mit diesem Paradox wird auch in der Kirche gerne Gefolgschaft ohne allzu kritische Nachfragen gefordert. Der mit freiem Willen ausgestattete mündige Mensch aber kann nie unkritisch gehorsam sein. Er darf es nicht. Im Gegenteil: Seine Entscheidungen beruhen auf Einsicht und Erkenntnis. Man muss ihn also gewinnen, will man ihn nicht im Stand eines Kindes lassen. In der Zeit, wo Masken zur Pflicht werden, demaskiert sich mancher Charakter als vorschnell gehorsam oder einsichtig aus freiem Willen.

Das Kartenhaus Ein Essay über die Ambivalenz des Heiligen

Ist die Kirche noch heilig? Nicht nur immer neu auftauchende Missbrauchsfälle, in denen Kleriker Täter waren und sind, lassen daran Zweifel aufkommen. Vor allem die anhaltende Unfähigkeit der vielen Verantwortlichen, die Konsequenzen ihrer Verantwortung zu übernehmen, entlarvt die behauptete Heiligkeit als bloßen Schein. Die Kirche kann ihre Heiligkeit nur wiedererlangen, wenn sich die Verantwortlichen von ihrer selbstgewählten Verantwortungslosigkeit bekehren. Viel Zeit ist nicht mehr, denn die Heiligkeit ist von scheuem Wesen.

Auf hoher See und vor Gericht Oder: Wenn Europa zu spät kommt, wird das Leben es bestrafen

Die Rettung in Seenot geratener Flüchtlinge im Mittelmeer spaltet Europa. Die einen sehen in Kapitänen von Rettungsschiffen wie Carola Rackete, der Kapitänin der Sea-Watch-3 eine Heldin, andere eine Rechtsbrecherin, die sich eigenmächtig über das Verbot, Flüchtlinge in italienischen Häfen anzulanden, hinwegsetzt. Kann man aber einfach die Pflicht zur Rettung Schiffbrüchiger gegen staatliche Grenzziehungen ausspielen? Vor der Tür Europas wird das Mittelmeer zum Ort, an dem sich entscheidet, wes Geistes Kind der Kontinent der Gegenwart ist.

Der Nächste, bitte! Eine biblische Anleitung zur Nächstenliebe

Die Nächstenliebe ist der Stachel im Fleisch christlicher Wertekultur. Es mangelt daher nicht an Zähmungsversuchen, um die Nächstenliebe den eigenen Bestrebungen zu unterwerfen und das eigene Verhalten zu rechtfertigen. Die Nächstenliebe aber kennt keine falschen Komporomisse. Im Gegenteil: Wer die Konsequenzen der Nächstenliebe leugnet, schadet dem christlichen Glauben im innersten Kern.

Mit dem Gewissen vereinbar? Biblische Anmerkungen zum Streit und zur Einigung von CSU und CDU

Die Dramatik des Streits zwischen den Schwesterparteien CDU und CSU hat die letzten Tage und die Schlagzeilen bestimmt. Schon vor der Eskalation ist der Bamberger Domkapitular Peter Wünsche aufgrund der Haltung der CSU in der Asylpolitik aus dieser Partei ausgetreten, der er 44 Jahre angehörte. "Aus Gewissengründen" hat er sich so entschieden. Was wäre eine christliche Politik ohne Gewissen? Es stellt sich die Gewissensfrage!

Wertschätzung des Wassers Alttestamentliche Perspektive: Trinkwasser als Gemeingut und Menschenrecht

Wenn der Zugang zu sauberem Wasser heute ein Menschrecht ist, dann muss der kapitalistischen Wertschöpfung eine deutliche Grenze gesetzt werden: Wer sich an einem Gemeingut bereichert, ist verantwortlich für jeden, der keinen Zugang zu diesem Gemeingut hat. Trinkwasser ist gemäß dem Alten Testament ein Gemeingut, auf das selbst der Fremde und der Feind einen Anspruch haben.

Das Essen der Anderen „Containern“, Lebensmittelverschwendung und das alttestamentliche Gesetz

In Deutschland landen jährlich 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von ca. 25 Milliarden Euro im Müll. Sie aus den Abfallcontainern und Mülltonnen z.B. von Supermärkten zu nehmen - das sogenannten "Containern" - ist strafbar. In diesem Fall ist die Gesetzgebung im Alten Testament einen Schritt weiter als das Gesetz in Deutschland.

Wann kommt die Moral? Neutestamentliche Einwürfe zu skandalösen Entdeckungen in der Bundeswehr

Moral ist kein Orden, den man sich äußerlich anheften kann. Moral ist der innerste Kern einer Haltung, die das Handeln bestimmt. Wer über eine starke Moral verfügt, kann auch in scheinbar aussichtslosen Situationen bestehen. So zeigt sich an Haltung und Handeln nicht nur, wes Geistes Kind jemand ist, sondern ob sein Streben auch der Gesellschaft, die ihn trägt, dient. Es ist notwendig, dass die Gesellschaft selbst die Moral nicht aus dem Blick verliert.

Hunger und Hungersnöte Die Katastrophe im Südsudan und das gerechte Handeln

100.000 stehen im Südsudan kurz vor dem Hungertod. Der Vorwurf Elifas "Den Durstigen tränkst du nicht mit Wasser, dem Hungernden versagst du das Brot." (Ijob 22,7) trifft nicht nur die Kriegsparteien, sondern die gesamte Weltgemeinschaft. Aus der Erfahrung von Hungernot lehrt das Alte Testament, dass der Gerechte den Hunger (selbst des Feindes) bekämpft.

Wider die vorschnelle Beruhigung: Fürchtet euch nicht! Die biblische Herausforderung des Engelgrußes angesichts der Morde auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breidscheidplatz

Der Gruß der Engel - "Fürchtet euch nicht!" - ist schneller in vieler Munde, wenn das Unerwartbare über Menschen hereinbricht. Der Gruß taugt aber nicht nur nicht zur oberflächlichen Beruhigung; er ist beinhaltet immer auch eine Aufforderung zum aufrichtigen Handeln.

„Öffne Deinen Mund“ Die Stimme gegen das Leid in Aleppo erheben

Aleppo ist ein Synonym für Leid, Hoffnungs- und Hilflosigkeit im Angesicht dessen die Regierungschefs der Europäischen Union feststellen, "dass wir viel weniger tun können, als wir gerne tun würden" (Angela Merkel). Auch wenn eine Lösung momentan nicht greifbar scheint, gilt es doch stets die Stimme zu ergreifen und nach Gerechtigkeit zu verlangen für die Leidenden, deren Stimmen erstickt werden (siehe Sprichwörter 31,8-9).

Geschredderte Küken, Massentierhaltung und die Bibel Die Tierethik des Alten Testaments

Nutztiere leben in unserem Wirtschaftssystem meistens nicht im Paradies. Sie dienen zur Nahrung und der Mensch verfügt über sie. Es stellt sich die Frage, wie eine Nutztierhaltung aussehen kann, die sowohl tiergerecht als auch ökonomisch sinnvoll ist. Das Alte Testament erinnert den Menschen an seine Verantwortung gegenüber den Tieren als Geschöpfe Gottes – auch sie haben Rechte.

Worte schaffen was Ein Aufschrei wider den Missbrauch der Sprache

Worte erschaffen Wirklichkeiten. Kundige Redner wissen um diese Macht der Worte - und sie setzen sie ein, um Wirklichkeiten zu erzeugen. Die Gegenwart zeigt, dass ein einmal in die Welt gesetztes Gerücht sich unaufhaltsam wie der Rauch eines Lauffeuers verbreitet - im Guten wie im Schlechten. Wenn das Gute Wirklichkeit werden soll, müssen sich die Anständigen lautstark zu Wort melden.

Stammtischgericht Von der Notwendigkeit einer echten Rückbesinnung auf die christlichen Wurzeln

Die Berufung auf die christliche Tradition verträgt keine Lippenbekenntnisse, wenn sie nicht durch eine entsprechende Haltung gedeckt ist. Manch ein Stammtisch wird für die zum Gericht, die nur die gerade populären Parolen nachplappern. Die Chance der Stammtische aber liegt darin, auch schwierige, aber notwendige Entscheidungen populär zu machen. Selbst das Fähnchen im Wind braucht schließlich einen stabilen Fahnenmast.

Die Todesstrafe durch Menschenhand Alttestamentliche Anmerkungen

In der Türkei steigt die Zustimmung zur Wiedereinführung der Todesstrafe. Weltweit wurden im vergangenen Jahr mindestens 1.634 Menschen weltweit hingerichtet - und auch in der Welt der Bibel ist die Todesstrafe eine übliche Rechtspraxis, deren theologisches Fundament in Genesis 9,6 gegeben ist. Allerdings gibt es zwei Möglichkeiten diesen Vers zu verstehen.