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Ethica

Hunger und Hungersnöte Die Katastrophe im Südsudan und das gerechte Handeln


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Wenn 30% der Bevölkerung eines Landes akut unterernährt sind, 20% der Bevölkerung nur noch begrenzt oder keinen Zugang zu Nahrungsmitteln haben, ein Großteil der Bevölkerung die gesamte Lebensgrundlage verloren hat und mindestens zwei von 10.000 Menschen täglich an Nahrungsmittelmangel sterben – dann spricht die UNO offiziell von einer Hungersnot.1) Dies war zuletzt in Afrika 2011 der Fall, wo innerhalb von 18 Monaten über 750.000 Menschen den Hungertod starben. Nach Einschätzung der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, des UN-Kinderhilfswerks Unicef und des UN-Welternährungsprogramms befinde sich momentan im Südsudan 100.000 Einwohner des Bundesstaates Unity im Südsudan in akuter Lebensgefahr und drohen zu verhungern. 4,9 Millionen Menschen im Südsudan sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.2) Im Bundesstaat Unity im Südsudan befinden sich die wichtigsten Ölvorkommen des Landes, um die seit 2013 ein erbitterter Bürgerkrieg tobt, der für die Bewohner akute Hungersnot und Tod bedeutet. Ohne konkrete Lebensmittelhilfen, die wirklich zur leidenden Bevölkerung gelangen, droht eine Katastrophe.3)

Gegen den Hunger

Die Bekämpfung und das Stillen des Hungers ist die Pflicht eines jeden Einzelnen gegenüber seinen Mitmenschen. Der Vorwurf Elifas an Ijob kann heute gegen die Kriegsparteien im Südsudan und die Weltgemeinschaft wiederholt werden:

Den Durstigen tränkst du nicht mit Wasser, dem Hungernden versagst du das Brot. Ijob 22,7

Ijob kann sich diesem Urteil entgegenstemmen und darauf verweisen, dass er sein eigenes Brot nicht alleine gegessen, sondern mit den Bedürftigen geteilt hat (Ijob 31,17). Hunger zu stillen ist gerechtes Handeln, wie der Prophet Ezechiel verkündet:

Wenn jemand gerecht ist und nach Recht und Gerechtigkeit handelt: [… .] Er unterdrückt niemanden. Er gibt sein Schuldpfand zurück. Er begeht keinen Raub. Dem Hungrigen gibt er sein Brot und den Nackten bedeckt er mit Kleidung. Ezechiel 18,5.7

Ein solches Handeln darf nicht einmal vor dem Rivalen und Feind Halt machen. Die Bekämpfung einer Hungersnot sollte selbst Rivalen und Feinde vereinen:

Hat dein Feind Hunger, gib ihm zu essen, hat er Durst, gib ihm zu trinken. Sprichwörter 25,21

Hungersnöte

Hungersnöte gehören auch zur Welt hinter der Hebräischen Bibel. Die Aufforderungen im Buch Ezechiel und im Buch der Sprichwörter sind die Reaktion auf Welterfahrungen. Bereits auf der Stele des Merenptah (1208 v. Chr.), der ersten außerbiblischen Erwähnung Israels, wird auf die Gefahr einer Hungersnot verwiesen, da Israel kein Saatgut mehr hatte.4) Die Erzväter Abraham und Isaak fliehen vor einer Hungersnot (Genesis 12,10; 26,1) und das Buch Rut beginnt mit einer Hungersnot in Betlehem (Rut 1,1). Im Hebräischen wird in all diesen Geschichten der Begriff רָעָב (gesprochen: raav) verwendet, der sowohl „Hungersnot“ als auch allgemein „Hunger“ bedeutet. Die UNO hat es sich zum Ziel gesetzt, die Unterernährung bis 2030 zu beseitigen – und in diesem Kampf kann man schon große Fortschritte vorweisen. Seit 2000 ist die weltweite Unterernährung um 29% zurückgegangen.5) Aber es sind immer noch 795.000 Menschen nicht ausreichend mit Nahrung versorgt. Die Lage im Südsudan zeigt, wie weit der Weg zu einer gerechteren Welt noch ist, in der Hungersnöte der Vergangenheit angehören werden.


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1. When a food security crisis becomes a famine“, UN News Office, 21.07.2011 [Stand: 24. Februar 2017].
2. Vgl. „Akute Hungersnot im Südsudan. 100.000 Menschen droht der Tod“, taz.de, 20.02.2107 [Stand: 24. Februar 2017].
3. Vgl. auch die Worte Papst Franziskus’: „Zu einem brudermörderischen Konflikt (im Südsudan) kommt noch eine schwere Hungerkrise am Horn von Afrika, die Millionen von Menschen, darunter viele Kinder, zum Hungertod verurteilt. In diesem Moment ist der Einsatz aller nötiger denn je. Es sollte nicht bei Deklarationen bleiben, gebraucht werden konkrete Lebensmittelhilfen, die auch wirklich die leidende Bevölkerung erreichen müssen!“ („Südsudan: Papst fordert Hilfe für Hungernde“, Radio Vaticana, 22.02.2017 [Stand: 24. Februar 2017]).
4. Vgl. O. Kaiser (Hrsg.), Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Gütersloh 1982–1997, I, 6, 544-552.
5. 800 Millionen Menschen sind unterernährt“, Spiegel Online, 11.10.2016 [Stand: 24. Februar 2017].
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