Vom Glück der Versuchung Neutestamentliche Reflexionen über ein korrumpiertes Phänomen

Die Vaterunser-Bitte, Gott solle uns nicht in Versuchung führen, irritiert selbst den Papst. Aber kann man sie einfach ändern? Es wäre dann nicht mehr das Gebet, das Jesus lehrte. Vielmehr stellt sich die Frage, was denn überhaupt unter "Versuchung" verstehen ist. Eine Spurensuche im Neuen Testament führt nicht nur zu dem Schluss, dass die sechste Vaterunser-Bitte durchaus in der existentiellen Versuchungserfahrung Jesu begründet sein könnte; in jeder Versuchung liegt vielmehr auch die Möglichkeit des Scheiterns wie der Reifung.

Zungenbiss Ein exegetischer Ordnungsruf angesichts Verweigerung und Verantwortung zur Regierungsbildung

Ebensowenig wie ein Wunschzettel ein Bestellschein ist, ist die Wahl ein Wunschkonzert für Politikerinnen und Politiker. Wer sich Auftrag der Wähler vorschnell entzieht, entzieht sich der ihm übertragenen Verantwortung. Statt flinkem Hang zur Selbstdarstellung sollte deshalb der Respekt vor dem Souverän das politische Handeln prägen.

Nächstenliebe? Verdammt! Ein Essay über die Irrungen und Wirrungen eines christlichen Urideals

Nächstenliebe ist keine christliche Kür - sie ist Pflicht. Dabei geht es nicht um die Frage, wer der Nächste ist, dem man sich liebend zuwenden soll. Selbst zum Nächsten zu werden ist die eigentliche Herausforderung, die Jesus seinen Jüngern stellt. Da ist auch für christliche Abendländer kein wirklicher Platz, sich vor der Herausforderung zu drücken.

Was ist Einheit? Über die Suche nach einer Utopie

Es ist vollbracht - das 500. Jubiläum des Luther'schen Anschlags ist Geschichte. Eine ganze Dekade und ein Jubiläumsjahr sind abgefeiert. Manch einer träumt schon von einer endlichen Einheit. Dabei ist bei aller ökumeneseligen Feierei der Diskurs über das Was und Wie der Einheit versäumt worden. Es wurde eine Chance zum Streiten verpasst, denn - so lehrt es das Neue Testament - die Utopie der Einheit ist Quelle und Höhepunkt des Streitens.

Das Opium der Zweifler Ein neuer Blick auf die Wundererzählungen des Neuen Testamentes

Wunder sind bei Glaubensverfechtern wie bei -kritikern gleichermaßen beliebt. Die einen brauchen sie, um glauben zu können, die anderen, um den Glauben zu kritisieren. Dabei sprechen die Evangelisten selbst gar nicht von Wundern, sondern von Zeichen und machtvollen Taten, bei denen das Außergewöhnliche in der Wiederherstellung von Normalität besteht.

Die Vollstreckung der Todesstrafe Ein alttestamentliches „Ja, aber…“

Der 10. Oktober ist der Internationale und Europäische Tag gegen die Todesstrafe. Während weltweit mehr und mehr Nationen die Todesstrafe abschaffen steht sie weiterhin in den Heiligen Schriften des Judentums und Christentum. Aber bereits im Alten Testament findet sich ein Diskurs über die Frage, wer die Todesstrafe überhaupt vollstrecken darf.