Kapitel
Oecologica·Res publica

Bitte wenden! Wer den Wandel will, muss Wurzelarbeit leisten

Der Mensch hat ganze Arbeit geleistet. Er hat sich die Schöpfung untertan gemacht und sie ausgebeutet. Frühere, gläubigere Generationen beriefen sich da noch auf die Bibel. War es nicht der Schöpfer selbst, der den Menschen als sein Ebenbild über die Erde setzte, auf das er sie unterwerfe? So jedenfalls lässt es die Einheitsübersetzung von 2016 vermuten, wenn Gott, der Herr, zu dem männlich und weiblich erschaffenen Menschen spricht1):

Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! Genesis 1,28

Die revidierte Lutherübersetzung von 2017 assoziiert da nur marginal anders, wenn sie davon spricht, der Mensch solle sich die Erde untertan machen. Ist das nicht ein Freibrief zur Ausbeutung, Ausblutung und Ausnutzung?

Der Aufstand

Tatsächlich suggeriert der Kontext der Schöpfungserzählung anderes. Psalm 8 weiß von den Relationen zu singen, in

denen sich der Mensch gerade als Ebenbild Gottes befindet2):

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit. Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße: Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht. HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde! Psalm 8,5-10

Gott allein ist der Herr. Er allein ist gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit. Der Mensch als Herrscher der Schöpfung hat über das Werk seiner Hände zu achten. Nießbrauch ist möglich, Missbrauch wohl nicht. Wo der Mensch die Schöpfung und seinen Auftrag, über sie zu herrschen, missbraucht, wird die Schöpfung selbst aufstehen und den Menschen anklagen. Die Schöpfung ist ein System, in das der Mensch eingewoben ist. Er steht nicht über ihr, nicht neben ihr, nicht ihr gegenüber – er steht in ihr. Wenn der Mensch das vergisst, wenn er nicht nach Gottesart herrscht und die Schöpfung, hegt und pflegt, pflanzt und formt, wie es der sogenannte zweite Schöpfungsbericht in Genesis 2,4-20 beschreibt, missbraucht er nicht nur seinen Auftrag, er muss auch die Folgen seines Handelns tragen, wenn die Schöpfung sich gegen den eingesetzten Herrscher erhebt.

Die große Flut

Das Klima wandelt sich immer. Die Erde hat schon viel gesehen: Ein glühender Anfang, totale Vereisung, Warm- und Eiszeiten, Klimaphasen, die durch global wirkende Naturereignisse wie Vulkanausbrüche bewirkt wurden. Seit über 200 Jahren, spätestens seit der industriellen Revolution trägt die Energiegewinnung durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe das ihre zum Wandel des Klimas bei. Kohlendioxid und andere klimarelevante Gase tragen seitdem zu einer steten Erwärmung der Atmosphäre bei. Bereits 1972 veröffentlichte der Club of Rome den Bericht „Die Grenzen des Wachstums“3), in dem festgestellt wird:

„Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.“4)

Dass insbesondere die Umweltverschmutzung gut 50 Jahre nach dem Bericht des Club of Rome Folgen zeitigt, dürfte eigentlich niemanden überraschen. Naturkatastrophen sind keine fernen Ereignisse mehr. Die mitteleuropäischen Hitzesommer 2018-2020 und die Flutkatastrophe im Juli 2021, die ganze Dörfer hinwegriss, Existenzen vernichtet hat und über 150 Menschenleben kostete, sind längst keine Menetekel mehr. Sie sind sichtbare Folgen eines längst stattfindenden, durch den Menschen verursachten Klimawandels – bei dem, vereinfacht gesprochen, die Jahrzehnte währende Erwärmung der Erdatmosphäre unter anderem dazu führt, dass sich der Jetstream abschwächt. Bei dem Jetstream handelt es sich um Starkwindbänder in 8 bis 12 Kilometern Höhe, die um die Erdhälften mäandern und in den jeweiligen Wellentälern und -gipfeln die Hoch- und Tiefdruckgebiete um die Erde transportieren. Die Verlangsamung des Jetstreams führt nun dazu, dass die Hoch- und Tiefdruckgebiete länger stationär über den Erdregionen liegen und entweder – im Fall von Hochdruckgebieten – zu lang anhaltenden Hitze- und Dürrephasen (wie im Jahr 2021 in Kanada mit verheerenden Folgen oder in den Jahren 2018-2020 in Mitteleuropa) oder – bei Tiefdruckgebieten – zu unheilbringenden Niederschlagsmengen führen können. Die sind ihrerseits auf die Erwärmung der Erdatmosphäre zurückzuführen, insofern jedes Grad Celsius Erwärmung dazu führt, dass die Atmosphäre 7% mehr Wasserdampf speichern kann – Wasserdampf, der kondensiert, wenn Kalt- auf Warmfronten treffen und eine sogenannte Okklusion bildet, die zu Starkregen führen kann. Eine solche Wetterlage ist ursächlich für die Katastrophe, die am 14. Juli 2021 über den Westen Deutschlands kam und dem Menschen mit den nicht beherrschbaren Kräften der Natur konfrontierte.

Die große Flut, die insbesondere den Erftkreis traf, rief viel tatkräftige Solidarität hervor, aber auch Bittgottesdienste und die Frage nach dem Sinn. Naturwissenschaftlich ist das alles nicht nur gut zu erklären und herzuleiten. Naturwissenschaftlich ist das die längst absehbare Folge einer langen Entwicklung. Naturwissenschaftlich ist auch klar, dass sich solche Vorgänge in immer kürzerer Folge wiederholen werden. Wer jetzt schon von Jahrhundert- oder gar Jahrtausendflut spricht, spielt die Folgen des Klimawandels wohl eher herunter. Hitze- und Dürresommer werden ebenso zur neuen Normalität gehören wie die Gefahr von Starkregen und Überflutung. Dass es manche Theologen nicht daran hindert, eilfertig von einer Strafe Gottes zu sprechen, erscheint da eher weltentrückt, zeigt aber mindestens eine bibelvergessene Theologie. Gott straft schon lange nicht mehr durch Naturkatastrophen. Wohl aber steckt in den Katastrophen ein Auftrag an den Menschen, der als Ebenbild Gottes als Verwalter über die Schöpfung eingesetzt wurde.

Nicht Strafe, sondern Mahnung

Die Rechnung „Katastrophe = Gottesstrafe“ ist nicht nur arg einfach, sondern einfach falsch. Ein Blick in das Neue Testament genügt, um die Unterkomplexität der Schlussfolgerung offenzulegen. Im Lukasevangelium heißt es:

Zur gleichen Zeit kamen einige Leute und berichteten Jesus von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit dem ihrer Opfertiere vermischt hatte. Und er antwortete ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren als alle anderen Galiläer, weil das mit ihnen geschehen ist? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms am Schiloach erschlagen wurden – meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten als alle anderen Einwohner von Jerusalem? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. Lukas 13,1-5

Der Text ordnet das Geschehen temporal mit der Wendung ἐν αὐτῷ τῷ καιρῷ (gesprochen: en autô tô kariô) ein, dass die Einheitsübersetzung 2016 mit „zur gleichen Zeit“, die Lutherübersetzung von 2017 mit „zu der Zeit“ wiedergibt. Auf jeden Fall soll ein zeitlicher Zusammenhang mit dem Vorhergehenden geschaffen werden. Im vorhergehenden Kapitel Lukas 12 aber findet sich eine Reihe von Warn- und Mahnreden, Gleichnissen und schließlich der Mahnung, die Zeichen der Zeit zu erkennen und danach zu handeln:

Außerdem sagte Jesus zu der Volksmenge: Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht, sagt ihr sofort: Es gibt Regen. Und so geschieht es. Und wenn der Südwind weht, sagt ihr: Es wird heiß. Und es geschieht. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels wisst ihr zu deuten. Warum könnt ihr dann diese Zeit der Entscheidung nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil? Denn wenn du mit deinem Gegner zum Gericht gehst, bemüh dich noch auf dem Weg, dich mit ihm zu einigen! Sonst wird er dich vor den Richter schleppen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und der Gerichtsdiener wird dich ins Gefängnis werfen. Ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch die letzte Münze bezahlt hast. Lukas 12,54-59

Das ist das, was der Leserin und dem Hörer des Lukasevangeliums gerade noch im Ohr klingt, wenn sie in Lukas 13,1-5 vom tödlichen Schicksal der Galiläer und der Opfer des Einsturzes des Turmes von Schiloach erfahren. Jesus selbst hat – wie wohl auch seine Hörerinnen und Hörer – über grundlegende meteorologische Kenntnisse verfügt. Man weiß eben die Vorzeichen des Wetters zu lesen – und danach zu handeln. Im Unterschied zum Klima aber ist Wetter ein kurzfristiges und lokales Phänomen. Klima aber ist epochal und global.

Interessant aber ist, dass die Wettermetaphorik zu einer Gerichtssymbolik führt. Wenn die Zeit der Entscheidung ist, dann versuche, eine gütliche Einigung zu finden. Findest du sie nicht, bist du den unberechenbaren Unbilden des Gerichtes ausgeliefert …

Was alle betrifft ...

In diesen Kontext hinein erzählt Lukas von der Ankunft einiger Leute (τινες – gesprochen: tines), die Jesus von dem Unheil berichtet, dass einigen Galiläern durch Pilatus widerfahren ist. Dieses Unheil wird noch dadurch verschlimmert, dass ihr Blut mit dem der Opfertiere vermischt wurde. Das Blut als Sitz des Lebens wird hier zusätzlich verunreinigt, der Tod noch schlimmer. Ebenso kommt die Frage auf, welche Schuld die auf sich geladen haben, die beim Einsturz des Turmes von Schiloach ums Leben kamen. Irgendetwas muss doch da gewesen sein, wenn der Tod dieser Menschen nicht völlig sinnlos gewesen sein soll. Könnte Gott ihn sonst zulassen? Oder sind diese Tode nicht sogar eine Strafe Gottes, der ein Vergehen der so Gestorbenen ahndet?

Jesus weist solche Gedanken zurück:

Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt Lukas 13,3.5

Das Schicksal, dass die Unglücklichen traf, kann alle treffen. Rettung gibt es nur bei Umkehr. Ist aber das in sich nicht ein Hinweis darauf, dass hinter dem tödlichen Schicksal nicht doch ein strafender Gott steht?

... wird zur Menschheitsaufgabe

Jesus entfaltet die Antwort in einem Gleichnis, das mit einem verbindenden δέ (gesprochen: dé – „aber“ oder „und“) angeschlossen wird:

Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Winzer: Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Winzer erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen! Lukas 13,6-9

Das Gleichnis ist der agrarischen Kultur entnommen und erinnert damit an den Schöpfungsauftrag des Menschen. Der nämlich soll die Natur kultivieren und lebbar machen. Ein barbarischer Umgang mit der Schöpfung aber ist keine Kultur, sondern Plünderei.

In dem Gleichnis jedenfalls geht es um den Besitzer eines Weinberges, der einen Feigenbaum gepflanzt hat. Der Feigenbaum bleibt fruchtlos. Dabei tragen Feigenbäume sonst mehrere Male im Jahr Früchte. Drei Jahre geht das so – der Feigenbaum aber bleibt fruchtlos. Die Arbeit lohnt sich nicht; der ökonomischen Logik folgende muss der Feigenbaum weg. Der Winzer aber, der wohl als Pächter den Weinberg beackert und ihn in seinem Auftrag hegt und pflegt, tritt wie ein Anwalt für den Feigenbaum ein:

Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen! Lukas 13,8-9

Auch ihm ist klar, dass sich etwas ändern muss. Einfach so weitermachen, wie bisher, ist keine Option. Deshalb will er das Unterste nach Oben kehren, den Boden aufgraben und düngen. Da das offenkundig schon lange nicht mehr geschehen ist, wird das harte Arbeit bedeuten. Wie auch immer: Die einzige Chance besteht darin, den Wurzelgrund aufzuwühlen, Luft ins Erdreich zu bringen und neue Nährstoffe zuzuführen.

Ob das zum Ziel führen wird, ist ungewiss. Das weiß auch der Pächter des Weinbergs. Aber es ist die einzige Chance, die dem Feigenbaum bleibt …

Ursache und Wirkung

Es bleibt allerdings die Frage, warum Jesus den Feigenbaum in einen Weinberg verpflanzt. Für die Quintessenz der Erzählung ist der Weinberg doch gar nicht nötig. Die traditionell lakonische Erzählweise Jesu lässt deshalb die Erwähnung des Weinberges alles andere als zufällig erscheinen. In der Tat dürfte die Erwähnung des Weinbergs im Gleichnis Jesu die kundigen Leser und Hörerinnen an das Weinberglied bei Jesaja erinnern:

Ich will singen von meinem Freund, das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Er baute in seiner Mitte einen Turm und hieb zudem eine Kelter in ihm aus. Dann hoffte er, dass der Weinberg Trauben brächte, doch er brachte nur faule Beeren. Und nun, Bewohner Jerusalems und Männer von Juda, richtet zwischen mir und meinem Weinberg! Was hätte es für meinen Weinberg noch zu tun gegeben, das ich ihm nicht getan hätte? Warum hoffte ich, dass er Trauben brächte? Und er brachte nur faule Beeren! 5 Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: seine Hecke entfernen, sodass er abgeweidet wird; einreißen seine Mauer, sodass er zertrampelt wird. Zu Ödland will ich ihn machen. Nicht werde er beschnitten, nicht behackt, sodass Dornen und Disteln hochkommen. Und den Wolken gebiete ich, keinen Regen auf ihn fallen zu lassen. Denn der Weinberg des HERRN der Heerscharen ist das Haus Israel und die Männer von Juda sind die Pflanzung seiner Lust. Er hoffte auf Rechtsspruch – doch siehe da: Rechtsbruch, auf Rechtsverleih – doch siehe da: Hilfegeschrei. Jesaja 5,1-7

Israel und Juda – das Nord- und das Südreich – sind die Pflanzung des JHWHs. Das Volk Gottes sollte der fruchtbare Weinberg sein, doch er zieht sich das Gericht zu wegen Rechtsbruch und Rechtsverleih. Das Volk handelt nicht dem Auftrag JHWHs gemäß – und muss dafür die Folgen tragen; Folgen, die es selbst verursacht hat, weil es sich selbst als Weinberg nicht hegt und pflegt, sondern Dornen und Disteln wachsen ließ.

Darauf spielt Jesus an, wenn er das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum im Anschluss an die Berichte der sinnlos und unwürdig Gestorbenen erzählt. Das sind keine Einzelschicksale. Wenn das Volk nicht zusammensteht, wenn es seinen Auftrag nicht erfüllt, werden das keine Einzelschicksale bleiben. Nicht Gott richtet und straft, die Menschen richten und strafen sich durch ihr Fehlverhalten selbst.

Wasser-bis-zum-Hals-Cordal-flickr
Das Wasser steht längst bis zum Hals - Installation von Isaac Cordal im Château des Ducs de Bretagne.

Die letzte, allerletzte, allerallerletzte Chance – wirklich, die allerallerallerletzte ...

Im Angesicht von Hitzewellen und Unwetterkatastrophen sind nicht nur Politiker schnell mit Schlussfolgerungen bei der Hand, der Klimawandel müsse endlich bekämpft werden. Freilich teilen diese Vorsätze das Schicksal vieler Vorsätze: Sie sind schon nach kurzem vergessen. Wer will schon die Politik aufgrund eines Starkregenereignisses ändern5)? So steht zu befürchten, dass die Dinge weiter ihren gewohnten Lauf nehmen: Helferinnen und Helfer arbeiten bis zur physischen und psychischen Erschöpfung, Fromme beten, Politiker reden von der letzten, allerletzten, allerallerletzten Chance … jetzt muss sich wirklich etwas ändern … aber wirklich und ehrlich und echt, wenn man nur könnte, wie man müsste … man müsste halt wollen …

Das aber wäre Arbeit, eine Arbeit, bei der sich alles ändern müsste; eine Arbeit, bei der der Wurzelgrund aufgebrochen, das Unterste nach Oben gebracht und alles neu durchlüftet werden müsste. Die allerletzte Chance ist möglicherweise längst verstrichen. Das Wetter mag sich schnell ändern, das Klima wandelt sich in größeren Zeiträumen. Wenn die Kinder unserer Kinder auf dieser Erde noch leben sollen, müssten wir längst angefangen haben. Der nächste Regen wird kommen, die nächste Hitze auch – und die Lippen werden weiter beten und fordern. Das wird nicht reichen. Wir erleben doch jetzt, wie Menschen den Boden unter den Füßen, ja sogar das Leben verlieren. Werden alle Lippenbekenntnisse die Trauernden trösten? Wird der Tod der Umgekommenen sinnlos bleiben? Wer einen Feigenbaum wiederbeleben will, muss hart arbeiten und die Dinge mit Herz und Hand ändern, nicht nur mit dem Mund. Weil das eine Menschheitsaufgabe ist, muss jede und jeder beginnen – nicht übermorgen, nicht morgen, sondern jetzt … gestern wäre schon besser gewesen.

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Bildnachweis

Titelbild: Waiting for Climate Change (Château des Ducs – Isaac Cordal). Quelle: flickr – lizenziert als CC BY 2.0.

Video: Spektrum erklärt: Jetstream – Quelle: Youtube – lizenziert mit der Youtube-Standardlizenz

Bild 1: Oeuvre d’Isaac Cordal dans les douves du château des Ducs de Bretagne (William Chevillon) – Quelle: flickr – lizenziert als CC BY-NC-ND-2.0.

Einzelnachweis   [ + ]

1. Vgl. hierzu auch Till Magnus Steiner, Weltherrschaft. Von Fridays for Future zum Schöpfungsauftrag, Dei Verbum, 9.4.2019 – https://www.dei-verbum.de/weltherrschaft/ [Stand: 19. Juli 2021].
2. Vgl. hierzu auch Till Magnus Steiner, Beten für das Klima. Psalm 8: Der Mensch als Stellvertreter Gottes, Dei Verbum, 8.12.20215 – http://www.dei-verbum.de/beten-fuer-das-klima/ [Stand: 19. Juli 2021].
3. Vgl. Club of Rome, Die Grenzen des Wachstums, 1972 – Zusammenfassung als pdf unter https://www.1000dokumente.de/pdf/dok_0073_gwa_de.pdf [Stand: 18. Juli 2021].
4. Club of Rome, Die Grenzen des Wachstums, 1972, S. 1 – als pdf unter https://www.1000dokumente.de/pdf/dok_0073_gwa_de.pdf [Stand: 18. Juli 2021].
5. So etwa Armin Laschet im Angesicht der Unwetterkatastrophe vom 14.7.2021: „Weil jetzt so ein Tag ist, ändert man nicht die Politik“ – zitiert nach: https://www.tagesspiegel.de/politik/laschet-laviert-in-der-klimafrage-weil-jetzt-so-ein-tag-ist-aendert-man-nicht-die-politik/27427218.html [Stand: 18. Juli 2021].
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