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Res publica·Sanitas

Wähle das Leben! Biblische Abwägungen über Rechte und Pflichten im Gesundheitsschutz


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Die Sommerferien enden jäh. Wie im Jahr zuvor naht das Ende der Urlaubszeit auch im Sommer 2021 für viele unerwartet. Die Fehler der Vergangenheit, als man unvorbereitet mit den aus dem Urlaub Zurückkehrenden konfrontiert wurde, die nicht nur das eine oder andere Souvenir, sondern mitunter auch das Corona-Virus im Gepäck hatten, erleben eine Neuauflage. Freilich hat sich das Virus gut auf die neuen Umstände vorbereitet und ist zur Delta-Variante mutiert – wahrscheinlich nicht die letzte Variation, die die kreative Vielfalt der Schöpfung bereithält. Die Evolution „weiß“, was sie tut. Das Virus macht sich fitter. Während der Wildtyp noch einen R-Wert von „3“ hatte, also eine infizierte Person drei weitere ansteckte, weist die Delta-Variante schon einen 20%-100% höheren R-Wert auf1); möglicherweise steckte also eine infizierte Person sechs weitere an (R-Wert = 6). Während also das Virus tut, was es laut Schöpfungsauftrag tut – nämlich sich mehren und fruchtbar sein –, fährt der moderne Mensch, sich als Herr der Schöpfung wähnend, entspannt in Urlaub. Man hat sich schließlich eine Pause von den anstrengenden Antivirus-Maßnahmen verdient …

Enttäuschte Illusionen

Die Technisierung und Digitalisierung hat den Menschen entweltlicht. Virtuelle Existenzen scheinen nicht mehr fit genug für die Herausforderungen analoger Realitäten zu sein. Der digitale Schein schafft die Illusion menschlicher Machbarkeiten, die die Natur freilich wenig kümmern. Fluten von Wasser und Viren zeigen dem Menschen schnell seine Grenzen auf. Dabei unterliegt beides letztlich dem Prinzip des natürlichen Ausgleiches. Starkregen entsteht aus dem Wechselspiel natürlicher Kräfte, im Druckausgleich zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten und der Konfrontation feuchter warmer und kalter Luftmassen, die zu entsprechenden Kondensationsausfällungen führen. Das ist nur natürlich – für Menschen hingegen, die in engen Flusstälern in romantischer Lage leben aber absolut katastrophal – so katastrophal, dass die Illusion kultureller Beherrschbarkeit der Natur mit todbringender Wucht zerplatzt.

Ähnlich ist es auch mit dem Virus. Viren gehören zum Leben. Sie schaffen Leben. Sie machen Leben möglich. Wahrscheinlich hat auch die menschliche DNA sich nur entwickeln können, weil immer wieder Viren ihre Bausteine zur Evolution beigetragen haben. Viren machen aber noch mehr: Sie bekämpfen Bakterien. So leben Viren und Bakterien in einem Konkurrenzverhältnis, bei dem die einen die anderen in Schach halten. Sind Viren also schlecht? Die Frage ist nicht einfach mit „Ja“ zu beantworten. Objektiv sind sie gut für das Leben, subjektiv aber – wie im Falle des SARS-CoV-2-Virus – für die an Covid-19 erkrankten Menschen aber schlecht. Wenn die Corona creatonis, die Krone der Schöpfung, durch ein kleines Corona-Virus an den Rand der Existenz gebracht wird, rückt auch hier die Natur selbst die Verhältnisse wieder ins rechte Maß: Wo der Einzelne nur seinen eigenen Vorteil sucht, wird das Überleben schwer. Auch das zeigt nämlich die Evolution: Die Sozialität des Menschen setzte sich durch, weil in den Unbilden der Natur nur gemeinsames Handeln das Überleben sicherte. Wer von unseren Altvorderen die eigenen Entscheidungen zur alleinigen Privatsache erklärte, dürfte es hingegen schwer gehabt haben, seine Gene in kommende Generationen zu investieren …

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Solidarität und Altruismus scheinen für das Überleben der Menschheit daher einen evolutionären Vorteil zu haben. Ein Mammut erlegt man eben ebenso wenig allein, wie man ohne andere einen Säbelzahntiger abwehrt. Die Macht der Solidarität ist es auch, die in den im Sommer 2021 vom Hochwasser betroffenen Gebieten wenigstens etwas Hoffnung keimen lässt, wenn tausende freiwillige Helfer den Betroffenen zu Seite stehen. Niemand spricht hier – Gott sei Dank! – davon, dass die Bewältigung des Unglücks „Privatsache“ sei. Das mag daran liegen, dass die Bilder einfach überwältigend sind: zerstörte Dörfer, von den Wassermaßen niedergewalzte Häuser, Matratzen, die aus Ruinen hängen – all das lässt niemanden wirklich kalt.

Anders sieht es hingegen bei der Frage nach Kampf gegen das Corona-Virus aus. Das kann man an sich schon nicht sehen. Auch liegen – im Unterschied zu früheren Seuchenzeiten – keine nach Luft röchelnden Menschen oder gar am Virus Verreckte auf den Straßen. Gestorben wird hier einsam und steril auf Intensivstationen – oft ohne, dass die Nächsten noch einmal an das Sterbebett treten konnten. Aus den Augen, aus dem Sinn?

Für viele scheint es so zu sein. Selbst einfachste Mittel der Virusabwehr werden als drastische Einschränkung persönlicher Rechte empfunden. Abstand halten? Warum? Wir brauchen doch dringend die tägliche Umarmung! Maske tragen? Warum? Man lässt sich doch nicht einfach den Mund verbieten? Impfen? Warum? So ein Piecks ist reine Privatsache!

Das vor Augen Liegende wird eben von vielen gar nicht wahrgenommen. Weil es nichts zu sehen gibt, erliegt man selbstgemachten Illusionen. Man wähnt sich als revolutionär Querdenkende, schafft es aber noch nicht einmal geradeaus zu denken. Das zeigt sich insbesondere an der Frage der Impfung gegen das Corona-Virus, bei der es sicher um Selbstschutz, aber eben auch um den Schutz anderer geht.

Blüten im Sommerloch

Die Zahlen, Daten und Fakten sprechen eine eindeutige Sprache: Die Impfung wirkt! Und das in hohem Maße. Zwar können sich auch Geimpfte noch infizieren, aber sie erkranken mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Die Impfung schützt sie also selbst. Zwar weisen Studien aus den USA und Großbritannien darauf hin, dass es durchaus möglich ist, dass Geimpfte eine so hohe Viruslast entwickeln, dass sie andere infizieren können2). Das aber scheint eher in Einzelfällen möglich zu sein – und spricht dafür, dass weiterhin solidarische Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Masken und das Abstandhalten notwendig sind. Noch besser wäre es, wenn möglichst viele geimpft wären, weil die Impfung eben die Geimpften selbst schützt.

Es verwundert daher nicht, dass in dieser Lage die Frage nach einer Impfpflicht diskutiert wird. Die Frage ist juristisch heikel, bedeutet eine Impfpflicht doch den Eingriff in ein ureigenstes Persönlichkeitsrecht. Zwar hat es solche Impfverpflichtungen immer wieder einmal gegeben3). Trotzdem müssen hier wichtige Güter gegeneinander abgewogen werden. Dass es im medialen Sommerloch immer wieder Hinterbänkler sind, die hier forsch Verpflichtungen fordern, ist zwar erwartbar, führt aber trotzdem zu emotionsgeladenen Reaktionen, als würde die bloße Forderung durch ihre Äußerung schon Gesetz. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass es eben keine Impfpflicht geben wird. Das ist an sich auch gut so, bedeutet der Piecks tatsächlich ein Eingriff in die körperliche Integrität. Und doch bleibt eine hohe Impfquote das solidarische und soziale Ziel zum Schutz aller. Die Abwägung geht deshalb zwischen solidarischer Verpflichtung und persönlicher Integrität – eine Entscheidung, die jede und jeder letztlich für sich selbst fällen muss. Dass eine solche Entscheidung letztlich immer auch persönliche Konsequenzen haben kann, versteht sich von selbst. Denn Entscheidungen haben so oder so einen Wert, den es zu entrichten gilt: Wer bei der Mammutjagd auf welche Weise auch immer mitgeholfen hat – etwa auch, indem man die Kranken und Schwachen in der Zwischenzeit gehütet hat, hat sicher andere Rechte als jene, die nur aus der Ferne zugeschaut haben …

1

Wähle das Leben!

Es kann daher kaum verwundern, dass auch die Heilige Schrift Entscheidungshilfen für ambivalente Situationen bereithält, in denen sich die Einzelnen zwischen Altruismus und Selbsterhalt entscheiden müssen. Im Levitikus 19 finden sich so eine Reihe von liturgischen und ethischen Bestimmungen, die das soziale Miteinander des Volkes Israel regeln. Dazu gehört unter anderem die Weisung:

Du sollst einen Tauben nicht verfluchen und einem Blinden kein Hindernis in den Weg stellen; vielmehr sollst du deinen Gott fürchten. Ich bin der HERR. Ihr sollt beim Rechtsentscheid kein Unrecht begehen. Du sollst weder für einen Geringen noch für einen Großen Partei nehmen; gerecht sollst du deinen Mitbürger richten. Du sollst deinen Mitbürger nicht verleumden und dich nicht hinstellen und das Blut deines Nächsten fordern. Ich bin der HERR. Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Mitbürger zurecht, so wirst du seinetwegen keine Sünde auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der HERR. Levitikus 19,14-18

Der Text zeigt die volle Ambivalenz auf, vor die sich offenkundig schon die Israeliten im Angesicht Gottes gestellt sahen. Weisungen dieser Art machen ja nur Sinn, wenn das so Verordnete eben nicht selbstverständlich ist. Offenkundig gehört es von jeher zum Menschen, dass er den eigenen Vorteil sogar zum Nachteil der Schwachen sucht. Einem Blinden ein Hindernis in den Weg zu stellen ist schäbig – und doch kommt es immer wieder vor, dass Menschen sich auf perfide Weise über andere lustig machen. Den Mitbürger zu verleumden ist schnell getan, wenn es um den eigenen Vorteil geht – und die Verleumdungen der Gegenwart reichen da von der Verächtlichmachung der einen als „Schlafschafe“ und der anderen als „Covidioten“. So schafft man eine kommunikativ kaum mehr zu überbrückende Distanz, jenen „Herzenshass“, den man zur eigenen Identitätsdefinition zwar pflegen kann, der aber letztlich alle ins Verderben führt. Die Gemeinschaft hingegen wird in dem Abschnitt zum Schluss for Augen geführt, wenn die einzig mögliche Lösung präsentiert wird:

An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Levitikus 19,18

Dabei ist es bemerkenswert, dass hier vor allem von den „Kindern deines Volkes“ die Rede ist. Die Nächsten, von denen hier gesprochen wird, sind zuerst die nächsten Verwandten. Sie haben ein Gesicht. Da gibt es eine Beziehung. Da ist nichts Anonymes. Um der eigenen Verwandten willen, soll das Notwendige getan werden, um deren, aber auch das eigene Leben zu schützen:

Ihr sollt meine Satzungen und meine Rechtsentscheide bewahren. Wer sie einhält, wird durch sie leben. Ich bin der HERR. Levitikus 18,5

Die Weisung Gottes soll also Leben ermöglichen. Trotzdem scheint sie keinen Zwang zu vertragen, denn die so Unterwiesenen scheinen eine Wahl des Einhaltens oder des Nichteinhaltens zu haben. Freilich hat die Entscheidung so oder so Konsequenzen: Wer der Weisung nicht folgt, wird den Preis zu zahlen haben; wer sie aber hält, wird leben!

Angesichts dieser Alternative sollte die Entscheidung eigentlich klar sein. Trotzdem wohnen in jedes Menschen Brust mindestens zwei Seelen. Der Widerstreit zwischen privatem Bedürfnis und sozialem Handeln ist existentiell! Die freie Wahl ist dabei ein hohes Gut. Trotzdem ist die Weisung der Schrift eindeutig:

Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. Deuteronomium 30,19

Auf das Leben!

Das Leben an sich ist göttlich. Wer sich für das Leben entscheidet, gibt Gott Raum. Er folgt nicht bloß einer göttlichen Weisung. Gott selbst ist das Leben. Wer das Leben wählt, wählt Gott. Das Leben in all seinen Formen zu schützen – das eigene wie das der Nächsten –, ist deshalb in sich schon Gottesdienst, Gottesereignis, Gottesbegegnung. Von daher kann es nicht verwundern, dass Jesus Christus seinen eigenen Auftrag im Johannesevangelium prägnant präsentiert:

Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Johannes 10,10b

Allerdings geht diesem Auftrag eine Gefahr voraus:

Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Johannes 10,10a

Diese Gefahr entfaltet Jesus in einer kurzen gleichnishaften Rede:

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Johannes 10,11-16

Hier gibt es eine entscheidende Weiterführung des in der Tora grundgelegten Gedankens. Zuerst einmal: Die Möglichkeit der freien Wahl bleibt! Es gibt die Verführung zur lebensfeindlichen Entscheidung. Die Verführung erscheint als Dieb oder auch als bezahlter Knecht, der nur den eigenen Vorteil sucht und zu diesem Zweck die Schafe verführt, bei Gefahr aber schnell das Weite sucht, die Schafe aber ihrem Schicksal überlässt. Die Gegenwart ist reich an Beispielen, wenn vegane Verführer vieler sich schnell, wenn es brenzlig wird, ins Ausland absetzen. Der eigene Profit ist wichtiger als das Leben der vielen. Wahrlich: Hier ist auch Impfgegnerschaft echte Privatsache zum ureigensten Vorteil.

Wem hingegen an den Seinen – und das sind auch hier zunächst die Nächsten, die zum engen Kreis gehören – wirklich am Herzen liegt, der wird alles tun, um ihr Leben zu erhalten. Die Konsequenzen, auf die Jesus verweist, sind drastisch: Er gibt sogar sein eigenes Leben, damit das Leben der Seinen möglich wird.

Des Lebens Wert

Das scheint auf den ersten Blick absurd. Sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, ist doch nicht des Lebens Wert – so scheint es jedenfalls. Tatsächlich aber gewinnt diese Haltung an Fundament, wenn man den Blick radikal über den Horizont des bloß irdischen Lebens hinaus weitet, wie es Jesus im Matthäusevangelium tut:

Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten. Matthäus 16,25-27

Aus der Perspektive eines ewigen Lebens erscheint die kleine Spanne, die die irdische Existenz zwischen Jahrmilliarden der Nichtexistenz vorher und nachher, des Einsatzes für das Leben anderer ein adäquater Wert. Das können freilich nur jene nachvollziehen, die an ein Leben über den Tod hinaus zu glauben vermögen. Wenn die kleine Spanne irdischer Existenz alles ist, was man hat, wird die Entscheidung sicher entsprechend begrenzt sein. Für die aber, die hinter den Horizont des Todes zu schauen vermögen, ergibt sich hingegen eine ganz eigene Sehnsucht, die wohl auch Paulus kannte, wenn er schreibt:

Solange wir nämlich in diesem Zelt leben, seufzen wir unter schwerem Druck, weil wir nicht entkleidet, sondern überkleidet werden möchten, damit so das Sterbliche vom Leben verschlungen werde. Gott aber, der uns gerade dazu fähig gemacht hat, er hat uns auch als ersten Anteil den Geist gegeben. Wir sind also immer zuversichtlich, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind; denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende. Weil wir aber zuversichtlich sind, ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu sein. Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind. 2 Korinther 5,4-9

Eine Weltflucht in Form der Selbstentleiblichung erteilt Paulus also trotzdem eine Absage. Hier in der irdischen Existenz gilt es, einen Auftrag zu erfüllen. Dieser Auftrag ist in den Worten Jesu klar umrissen. Es geht immer darum, dass die Menschen ein Leben in Fülle haben sollen. Die Menschen – das sind bei Jesus, wie gezeigt wurde, zuerst die Seinen. Dann aber entgrenzt er im Johannesevangelium selbst diesen Kreis:

Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Johannes 10,16

Der Einsatz des eigenen Lebens für das Leben der anderen ist der Auftrag, der sich wenigstens an die richtet, die an den vom Kreuzestod Auferstandenen glauben. Nicht nur, dass es das Leben an sich wert ist. Es geht immer auch um das eigene Leben, dessen Früchte einst in den eigenen Händen vor dem Richterstuhl Christi präsentiert werden:

Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat. 2 Korinther 5,10

Die Frage wird dann sein, was man dann in Händen hält: die schönsten Fotos vom letzten Urlaub oder das Leben vieler, die durch den eigenen Einsatz reicher wurden.

Impfempfehlungen?

Der Schutz des Lebens ist für Glaubende auf dieser Basis eigentlich eine Frage des Bekenntnisses zum Gott des Lebens. Aber auch für Nichtglaubende, die nicht über den Tod hinauszuschauen vermögen, könnten die Weisungen der Tora durchaus hilfreich sein. Wer sein Leben als reine Privatsache ansieht, begibt sich letztlich selbstverschuldet in einen sozialen Lockdown, der teuer werden könnte. Ein Piecks zum Schutz des eigenen Lebens wie das der vielen, der Nächsten, aber auch der anderen, kostet nicht viel. Die Risiken sind, nach allem, was bekannt ist, begrenzt4).

Wenn aber schon Gott seine Weisungen so formuliert, dass die so Unterwiesenen die Möglichkeit der Ablehnung haben, sollten wir es nicht besser machen wollen. Die Freiheit ist ein zu hohes Gut. Wer den Menschen die Freiheit der Entscheidung nimmt, führt sie letztlich wie der bezahlte Knecht in die Irre. Gerade, weil es aber die Freiheit der Wahl gibt, sollte jede und jeder bei der Entscheidung für oder gegen die Impfung bedenken, worum es letztlich geht – für einen selbst wie für die anderen. Erwägt was ihr wollt … und wählt das Leben!

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Bildnachweis

Titelbild: Kompass (Bicanski) – Quelle: pixnio – lizenziert als CC0.

Video: Ranga Yogeshwar, Warum Impfen schlauer ist – Quelle: Youtube – lizenziert mit der Youtube-Standard-Lizenz.

Einzelnachweis   [ + ]

1. Vgl. hierzu Robert Koch Institut, Bericht zur Virusvarianten von SARS-CoV-2 in Deutschland, 7.7.2021, S. 17 – Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/DESH/Bericht_VOC_2021-07-07.pdf?__blob=publicationFile [Stand: 8. August 2021].
2. Vgl. hierzu etwa Spiegel online, Viruslast von Geimpften genauso hoch wie von Ungeimpften, Spiegel online, 6.8.2021 – Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-viruslast-von-geimpften-genauso-hoch-wie-von-ungeimpften-a-4e21aeaa-78c6-4d61-b350-85bd32942a74 [Stand: 8. August 2021].
3. Vgl. hierzu DW, Impfen als Politikum – ein Blick in die Geschichte, Deutsche Welle online, 16.1.2021 – Quelle: https://www.dw.com/de/impfen-als-politikum-ein-blick-in-die-geschichte/a-56212283 [Stand: 8. August 2021].
4. Einen guten Überblick über den Nutzen und mögliche Risiken der Impfung sowie die Abwägung der Argumente gibt das Video „Warum Impfen schlauer ist“ von Ranga Yogeshwar bei Youtube (6.8.2021) – Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=gT9z-l77ZYk [Stand 9. August 2021].
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