Fragiler Firnis mit fortschreitenden Fissuren Nachdenkliche Beobachtungen eines Neutestamentlers in der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie stellt die gegenwärtige Generation vor Herausforderungen, für die es keine Vorerfahrungen gibt. Neben egomanischen Auswüchsen zeigt sich aber immer wieder auch die Fähigkeit des Menschen zur Solidarität. Solidarität ist die Haltung, mit der die Krise bewältigt werden kann. Dazu gehört, das eigene Verhalten gerade an den Schwächsten und den Risikogruppen zu orientieren. Das gilt gerade auch für Christen. Nächstenliebe ist ein Tatwort, das alle frommen Versuchungen durchkreuzt - gerade wenn es um den einen Leib Christi geht.

Corona morbus coronae creatonis Eine Suche nach der Würde der Krankheit

Ein Virus setzt die Welt in Schrecken. Noch weiß man nicht viel über das neuartige Corona-Virus. Das ist aber vielleicht eine der Ursachen, warum viele Menschen von einer kaum greifbaren Angst erfasst werden. Krankheiten kränken das menschliche Bewusstsein - und sie grenzen bisweilen aus. Das Beispiel Jesu ist da geradezu distanzlos. In Zeiten irrationaler Hysterie kann es helfen, zurück zu gelassener Vorsicht zu finden.

Palin, Palin Gedanken eines Neutestamentlers über amazonische Liebeserklärungen und ein ekklesiales Murmeltiersyndrom

"Geliebtes Amazonien" - "Querida Amazonia". Wieder einmal feiern die einen ein päpstliches Schreiben als großen Fortschritt, während die anderen sich enttäuscht abwenden, weil abermals weder der Zölibat gelockert noch die Weihe von Frauen avisiert wurde. Beide spielen mit den Resten einer zu Asche verglühten Tradition. Die einen hüten sie als Relikt vergangener Gluten, die anderen wirbeln sie durcheinander bis die Luft wegbleibt in verschlossenen Räumen. Wenn das Feuer wieder brennen soll, muss man neues Brenngut holen - und dazu den neue Öffnungen im Raum finden ...

Kirche.Macht.Glauben. Oder: Wenn das Wort Gottes nicht sagt, was es meinen soll

Wieder einmal wird die Übersetzung des Vaterunser geändert - diesmal in Italien. Diese Veränderungen sind ein Symptom der gegenwärtigen Verkündigung. Kirche macht Glauben, liefert sich aber dem Geglaubten nicht mehr aus. So stellen sich die, die in der Kirche Verantwortung zu scheinen haben, über das Wort Gottes. Betet man da noch das, was Jesus lehrte, oder nicht das, was er besser gelehrt haben sollte? Wer das Vaterunser so entschärft, nimmt ihm seine eigentliche Kraft: Die Ermächtigung der Glaubenden!

Ein allzu lautes Schweigen Eine neutestamentliche Erwiderung auf den Einwurf Joseph Ratzingers

Wenn ein Kurienkardinal und ein Altbischof von Rom kurz vor einem mit Spannung erwarteten apostolischen Schreiben des Papstes ein Buch veröffentlichen, in dem es um das Priestertum geht, löst allein schon die Tatsache als solcher intensive Diskussionen aus. Während die Wandlung den Kern der Eucharistie ausmacht, darf sich offfenkundig nichts in der Kirche wandeln. Wenn dann noch das Wort Gottes herangezogen wird, gilt es genau hinzuschauen - und sich für manche Überraschung zu wappnen. Auch heute noch könnte das Wort Gottes eine Leuchte sein, das den Weg weist.

Error? Try! Oder: Von der Gunst, Fehler machen zu dürfen

Der Mensch lernt durch Versuch und Irrtum. Das Fehlermachen ist dabei eine Quelle der Inspiration, aus der Erkenntnis wachsen kann. Das Streben nach einer Existenz ohne Fehler und Makel hingegen ist eine Utopie, an der der Mensch nur scheitern kann. Er sollte also nicht den Fehler machen, fehlerlos sein zu wollen. Es braucht vielmehr eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit, aus der echter Fortschritt entstehen kann.

Bethlehem! Ein weihnachtlicher Essay über die Bedeutung des historischen Kontextes für die Verkündigung des Glaubens

Weihnachten ist kein Märchen. Weihnachten ist Geschichte. Auch wenn die Evangelien in erster Linie Zeugnisse des Glaubens sind, fusst ihre Überlieferung doch auf historischen Grundlagen. Allen Entmythologisierungstendenzen zum Trotz ist in ihren Geschichten doch reale Geschichte enthalten - eine Geschichte freilich, die interpretiert wird und werden muss. Gottes Wort ereignet sich jedenfalls immer unter konkreten Rahmenbedingungen. Nur so kann und muss es immer neu Gestalt werden.

Wohnen wie Gott auf Erden Adventliche Gedankenspiele eines Neutestamentlers über offenkundig zunehmende ontologische Differenzen in der Christusnachfolge

Das Wahre, Gute und Schöne wird von denen, die vorgeben, in der Kirche Verantwortung zu tragen, gerne frei und aktuell interpretiert. Da wird der wahre Glaube zweifellos verkündet, gute Textilien in Spitzenqualität zur Schau getragen und der neueste Trend geht offenkundig zum schöneren Wohnen in Luxusimmobilien. Die zeitgenössisch aktualisierte Form der Nachfolge Jesu will aber nicht ganz zu jenem Menschensohn passen, der keinen Ort hatte, wohin er sein Haupt legen konnte (vgl. Matthäus 8,20). Es bedarf wohl einer ontologischen Neuorientierung vieler, die vorgeben, sonst in der Person Christi zu handeln.

Das Kartenhaus Ein Essay über die Ambivalenz des Heiligen

Ist die Kirche noch heilig? Nicht nur immer neu auftauchende Missbrauchsfälle, in denen Kleriker Täter waren und sind, lassen daran Zweifel aufkommen. Vor allem die anhaltende Unfähigkeit der vielen Verantwortlichen, die Konsequenzen ihrer Verantwortung zu übernehmen, entlarvt die behauptete Heiligkeit als bloßen Schein. Die Kirche kann ihre Heiligkeit nur wiedererlangen, wenn sich die Verantwortlichen von ihrer selbstgewählten Verantwortungslosigkeit bekehren. Viel Zeit ist nicht mehr, denn die Heiligkeit ist von scheuem Wesen.

Betende Gartenzwerge Neutestamentliche Anmerkungen zur gefühlten Einschränkung der Meinungsfreiheit

Darf man noch seine Meinung sagen? Man darf! Es gibt in unserer Gesellschaft keine Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Trotzdem "fühlen" sich viele in ihrem Recht auf eine eigene Meinung eingeschränkt. Ob das an einer zunehmenden Unfähigkeit zur ebenso konstruktiv-kritischen wie respektvollen Auseinandersetzung liegt? Zur Meinungsfreiheit gehört es in der Tat, das andere andere Meinungen haben. Deshalb gibt es kein Recht auf Zustimmung zur eigenen Meinung. Es ist an der Zeit, das Streiten neu zu lernen.