Worte sind Worte sind Worte Bekenntnisse eines Neutestamentlers

Worte wirken. Sie lösen Reaktionen aus, die bisweilen aber dem, was gesagt wurde, widersprechen. Das ist auch gut so, denn sonst wäre alles nur Zauberei: Man spricht und das Gesagte wird wirklich. Stattdessen verwandeln sich viele Worte in Windhauch, in heiße Luft, wenn sie nicht durch Taten gedeckt sind. Gerade der Glaube an den, dessen Wort Fleisch wird, ist tatempfindlich. Wenn die Taten für die Worte fehlen oder gar den Worten widersprechen, sind die, die so verkünden, des Glaubens nicht mehr würdig. Liegt hier der eigentliche Kern der gegenwärtigen Kirchenkrise?

Den Fernen so nah Ein Blick zurück ins Neues Testament auf die Dialektik missionarischer Pastoral der Gegenwart und Zukunft

Die Kirche ist stetigen Veränderungen unterworfen. Jede Veränderung bedeutet Herausforderungen. Die Herausforderungen der Gegenwart liegen auf der Hand: Die Zahl hauptamtlicher Seelsorgerinnen und Seelsorger geht zurück, Kirchenaustritte steigen - die Aufgabe, das Evangelium in aller Welt alles Geschöpfen zu verkünden (vgl. Markus 16.15) bleibt. Eine Lösung liegt darin, Verwaltung zu zentralisieren, Pastoral aber zu dezentralisieren. Ein Modell, das sich schon zu neutestamentlichen Zeiten bewährt hat.

Ansehen gibt Ansehen Oder: Es wird Zeit, den Zahlen Gesichter zu geben

Das Volk der Dichter und Denker mutiert in Zeiten der Corona-Pandemie zu Zahlenjongleuren. Dabei werden im Umgang mit Statistiken nicht nur gerne Kausalitäten mit Korrelationen verwechselt. Statistiken haben auch eine enorm beruhigende Wirkung, indem sie Chaotisches und Unbeherrschbares übersichtlich in Zahlenform anästhetisieren. Dabei steckt hinter jeder Zahl ein Mensch und sein individuelles Leben.

Das Fenster zur Welt Neutestamentliche Gedanken zu Kirchenaustritten und die Gefahren und Chancen offener Fenster

Das Ritual ist erprobt: Der Veröffentlichung der Zahlen der Kirchenaustritte folgt eine Konzert von Betroffenheitssymphonien. Man fordert dann gerne offene Fenster, um sich dann wieder an die Konferenztische zu setzen. Wer das Wort Gottes in der Welt verkünden will, muss die schlecht belüfteten Räume wohl ganz verlassen, um denen zu begegnen, die längst aus dem Fenster gesprungen sind.

Was ist eigentlich Eucharistie? Eine neutestamentliche Suche nach Mitte, Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens

Die Eucharistie ist Quelle, Mitte und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. So lehrt es das 2. Vatikanische Konzil. Aber ist damit nur die Heilige Messe gemeint? Was ist "Eucharistie" überhaupt? Und: Wie kann man in Pandemiezeiten Eucharistie feiern? Fragen, die Anlass genug für eine neutestamentliche Spurensuche sind. Wie so oft, eröffnet die Exegese auch hier eigene Perspektiven. Es lohnt sich immer wieder, zurück zu den Quellen zu gehen.

Nähe und Distanz Neutestamentliche Anmerkungen über eine nicht nur pastorale Herausforderung in Zeiten der Corona-Pandemie

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Die angesichts der Corona-Pandemie medizinisch notwendige Forderung nach körpferlichem Abstand bedeutet eine Herausforderung: Wie kann trotz angemessener physischer Distanz soziale Nähe gelingen und aufrecht erhalten werden? Der Mensch wird hier in seiner ganzen Existenz gefordert - mit Leib und Geist.

Fragiler Firnis mit fortschreitenden Fissuren Nachdenkliche Beobachtungen eines Neutestamentlers in der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie stellt die gegenwärtige Generation vor Herausforderungen, für die es keine Vorerfahrungen gibt. Neben egomanischen Auswüchsen zeigt sich aber immer wieder auch die Fähigkeit des Menschen zur Solidarität. Solidarität ist die Haltung, mit der die Krise bewältigt werden kann. Dazu gehört, das eigene Verhalten gerade an den Schwächsten und den Risikogruppen zu orientieren. Das gilt gerade auch für Christen. Nächstenliebe ist ein Tatwort, das alle frommen Versuchungen durchkreuzt - gerade wenn es um den einen Leib Christi geht.

Error? Try! Oder: Von der Gunst, Fehler machen zu dürfen

Der Mensch lernt durch Versuch und Irrtum. Das Fehlermachen ist dabei eine Quelle der Inspiration, aus der Erkenntnis wachsen kann. Das Streben nach einer Existenz ohne Fehler und Makel hingegen ist eine Utopie, an der der Mensch nur scheitern kann. Er sollte also nicht den Fehler machen, fehlerlos sein zu wollen. Es braucht vielmehr eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit, aus der echter Fortschritt entstehen kann.

Betende Gartenzwerge Neutestamentliche Anmerkungen zur gefühlten Einschränkung der Meinungsfreiheit

Darf man noch seine Meinung sagen? Man darf! Es gibt in unserer Gesellschaft keine Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Trotzdem "fühlen" sich viele in ihrem Recht auf eine eigene Meinung eingeschränkt. Ob das an einer zunehmenden Unfähigkeit zur ebenso konstruktiv-kritischen wie respektvollen Auseinandersetzung liegt? Zur Meinungsfreiheit gehört es in der Tat, das andere andere Meinungen haben. Deshalb gibt es kein Recht auf Zustimmung zur eigenen Meinung. Es ist an der Zeit, das Streiten neu zu lernen.

Hat man je einen Papst übers Wasser laufen sehen? Wenn große Hoffnungen auf kleinen Glauben treffen

Wieder einmal steht die Kirche auch in der Gegenwart vor großen Herausforderungen. Zwischen Furcht und Hoffnung schwankend erscheint manches schon als Quantensprung, was in den Augen der Welt er einem Tippelschritt gleichkommt. Die alles entscheidende Aufgabe, das Wort Gottes in alle Welt zu verkünden, braucht aber zu allen Zeiten Mutige, die bereit sind, zu entscheiden und zu verkünden. Ist da jemand, der heute den Sprung wagt?

Der Sauerteigplan Oder: Evangelisieren ist eigentlich einfach, wenn man nicht ständig davon reden würde ...

Schillernd ist der Charakter des Wortes. Das gilt insbesondere für in Kirchenkreisen gerne verwendete Begriff wie "Charismenorientierung", "geistlich" und neuerdings auch "Evangelisierung". Soll es sich hier nicht um bloße Worthülsen handeln, muss auch offengelegt werden, was mit diesen Worten konkret gemeint ist. Nur so kann sich die schöpferische Macht des Wortes entfalten.

Gestalten Ein Essay über die wechselseitige Bedeutsamkeit von Form und Inhalt und das Leuchten des Wortes Gottes

Form und Inhalt lassen sich nicht voneinander trennen. Jeder Inhalt braucht eine dem jeweiligen Kontext angemessene Form, um sich mitteilen zu können. Umgekehrt aber prägt die äußere Form immer auch den Inhalt. Das zu erkennen, ist für eine Kirche, deren Stimme heiser geworden ist, essentiell, ist die Kirche doch das Werkzeug Gottes um sein Wort in der Welt zu verkünden. Es scheint wieder Zeit für eine Reformation der Kirche zu sein, damit die Welt mit dem Wort Gottes informiert wird.

Alles eine Frage der Haltung Oder: Warum Geisterfülltheit nichts sein kann, was hinzukommt

Kirchliche Runden beginnen selten ohne geistlichen Einstieg. Er bildet oft den ersten Tagesordnungspunkt, den es abzuhaken gilt. Dabei ist das eigentlich Geistliche nie etwas, das hinzukommen kann. Geistlichkeit ist eine grundlegende und existentielle Haltung, die die im Handeln prägen sollte, die erkannt haben, dass der Geist Gottes allem, was atmet, wohnt.

Zeugnisreife Ein kurzer Essay über die Notwendigkeit, dass aus Jüngern Zeugen werden

Es heißt, man lerne nicht für die Schule, sondern das Leben. Das Dasein als Schülerin oder Schüler endet mit der Schulentlassung nach hoffentlich erfolgreicher Reifeprüfung. Dann beginnt die eigentlich Bewährung auf dem Spielfeld des Lebens. So ist es auch mit der Jüngerschaft in der Nachfolge Jesu. Auch diese Lernzeit endet. Aus Jüngern müssen dann endlich Zeugen des Evangeliums werden. Auch heute reicht es deshalb nicht, Jüngerin oder Jünger zu sein; die Botschaft Gottes braucht Zeuginnen und Zeugen!

Das Wagnis Ein neutestamentliches Plädoyer für einen nicht bloß behaupteten Kulturwandel

Schiffe sind gute Werkzeuge, um Menschen zu verbinden. Wenn ein Schiff in Schieflage gerät, aber nicht untergeht, kann die Mannschaft Rettungsboote besteigen und das Schiff aufgeben. Sie werden dann von anderen, fremden Schiffen aufgenommen, stranden auf einsamen Inseln oder gehen auf dem Meer verloren. Man könnte auch die Schiffsschlosser holen, um das Leck abzudichten und das Schiff mit kreativem Geist wieder flott zu machen, denn es gibt nur das Material, was an Bord ist. In der Kirche ist das die Aufgabe der Theologie. Es ist wieder an der Zeit, mit kreativem Geist mehr Theologie zu wagen.

Der Narr von Nazareth Über notwendige Korrekturen eines harmlos gewordenen Jesusbildes

Die Zeit der Karnevaliade sei vorbei, soll Jorge Maria Bergoglio nach seiner Wahl zum Papst gesagt haben. Auch wer sich auf Jesus von Nazareth beruft, muss die falschen Masken ablegen. Das Neue Testament zeigt ihn als lauten Heiland, der schon zu seiner Zeit die, die etwas zu sein scheinen, schonungslos entlarvt. Wer diesem Jesus nachfolgen will, kann das wohl kaum still auf Knien tun.

Berührt, geführt? Wer Menschen zu Christus führen will, muss selbst berührbar sein

Christus berührbar zu machen, ist das Ziel vieler moderner pastoraler Ansätze - und das, obwohl sich der Auferstandene als der Unberührbare gezeigt hat. Der irdische Jesus hingegen ist berührbar und berührt. Seine Berührungen sind zu konkret, um vergeistlicht werden zu können - und genau das ist Ambivalenz und Herausforderung heutiger Verkündigung.