Kapitel
Ecclesiastica·Res publica

Verlustängste Biblische Aspekte über die Macht und Notwendigkeit der Veränderung

Die Normalität der Veränderung ist der Feind des Gewöhnlichen. Die konkrete, existentielle Erkenntnisfähigkeit des einzelnen Individuums hingegen beschränkt sich auf vergleichsweise kleine Zeiträume. Die eigene Erinnerung umfasst bei den Alten schon nur wenige Jahrzehnte; Jüngere überblicken aus eigenem Erleben vielleicht nur einige Jahre. Die lebendige, die eigene Altersklasse übergreifende Erinnerung umfasst wohl nur drei Generationen – ein biographisches Intervall, in dem die Enkel noch auf die authentischen Augen- und Ohrenzeugnisse der Großeltern zurückgreifen können. Mit deren Ableben bleibt sicher manches im kollektiven Gedächtnis haften. Die lebendige Authentizität hingegen verblasst mit dem Hinscheiden derer, die mit einem Ereignis noch mehr oder weniger existentiell verwoben waren. Es ist daher alles andere als ein Zufall, dass der US-amerikanische Regisseur Steven Spielberg im Jahr 1994 die „Survivors of the Shoah Visual History Foundation“ – kurz „Shoah Foundation“ in den USA mit dem Ziel gründet, weltweit und in möglichst großem Umfang Schilderungen von Überlebenden des Holocaust auf Video zu dokumentieren, um sie so authentisch für die Nachwelt zu erhalten1). Damals war der Zeitpunkt, in dem die Enkelgeneration der Holocaustüberlebenden zur Welt kam. Es war absehbar, dass das Zeugnis der Überlebenden nicht mehr lange greifbar sein würde. Nichts und niemand kann das authentische Zeugnis der Überlebenden selbst ersetzen. Die Veränderung über die Jahrzehnte hinweg ist zu normal und wird dergestalt zur Normalität, dass sich der gewöhnliche Zeitgenosse dergestalt an die Zustände der Gegenwart gewöhnt, dass er meint, es sei immer schon so gewesen, wie er oder sie es in dem kurzen Zeitraum seiner Existenz erlebt hat.

Die Notwendigkeit der Erinnerung

Das Leben ist zu kurz, um die großen Zusammenhänge überblicken zu können. Das wird auch von einer zunehmenden Digitalisierung, die ein immer umfassenderes, für jeden zugängliches Wissen verheißt, nicht kompensiert. So stellt die Zeithistorikern Eva Pfanzelter in einem Zeit-Interview vom 27. Januar 2017 fest:

„Das Netz scheint zwar nichts zu vergessen, aber sich auch an nichts zu erinnern. Als Lehrende, als Historikerinnen können wir etwas Wichtiges daraus lernen: Es ist nie genug erklärt, mitgeteilt, erinnert.“2)

Die vergegenwärtigende Erinnerung, die letztlich auch die Normalität der Veränderung vor Augen führt, ist deshalb eine sich selbst perpetuierende Aufgabe, der sich die Einzelnen wie die Gesellschaft als Ganzes immer neu stellen müssen, wollen sie nicht in die Fallen der Verweigerung tappen, in die schon die Ahnen gefallen sind. Aber nicht nur das: Die Normalität der Veränderung, die der Erinnerung gegenwärtig wird, kann auch Gelassenheit hervorrufen, insofern deutlich wird, dass die Veränderung immer auch Neues hervorgebracht hat, aus dem die Gegenwart erst so werden konnte, wie sie ist. Das, was der Mensch heute als schützenswert erachtet, war eben nicht immer da. Es ist das Produkt eines Prozesses, der stetige Veränderung bewirkt, ein Prozess, der gemeinhin als „Tradition“ bezeichnet wird. Tradition ist eben ein Vorgang und kein Zustand.

Man kann sich nicht nicht verändern

Wo Veränderung ist, da ist auch Verlust. Erst der Verlust macht Platz für Neues. Das ist wohl der tiefere Sinn des Jesuswortes:

Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Johannes 12,24

Es ist die Veränderung der Existenz des Weizenkorns, die erst das Fruchtbringen ermöglicht. Würde es sich dieser Veränderung verweigern, bliebe es tatsächlich nicht nur allein. Es würde über kurz oder lang verfaulen und einer sinnlosen Veränderung seiner eigenen Existenz anheimfallen. Die Weisheit des Jesuswortes offenbart, dass es nicht nur nicht möglich ist, den Zustand des Ist und Jetzt zu bewahren; es zeigt auch, dass einem auf ewige Besitzstandswahrung pochenden Konservatismus im Kern Fäulnis innewohnt. Diese innere Konsequenz führt Jesus selbst vor Augen, wenn er das Bildwort vom Weizenkorn im unmittelbaren Folgesatz konkretisiert:

Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Johannes 12,25

Der Text verwendet hier zwei bemerkenswerte Verben. Für „verlieren“ findet sich im griechischen Text das Verb ἀπολλύναι (gesprochen: apollynai), das die ursprüngliche Bedeutung „verderben, vernichten“ in sich trägt. Hier wird der Zusammenhang mit dem im Bildwort vom Weizenkorn intendieren Verfaulung bei Nichtaussaat wiederaufgegriffen: Wer sein Leben liebt, verdirbt/vernichtet es. Die Drastik der jesuanischen Intention tritt in der ursprünglichen Assoziaton viel deutlicher hervor, als es die allgemein übliche deutsche Übersetzung „verlieren“ intendiert.

Für „bewahren“ hingegen findet sich im griechische Urtext das Wort φυλάσσειν (gesprochen: phylássein), dem auch die Konnotation „wachen/bewachen“ und „behüten“ innewohnt, also einen geradezu pflegerischen Aspekt in sich birgt: Wer sich und sein Leben pflegen will, muss es in dieser Welt gering achten.

Bedrohungsszenario

Für den gewöhnlichen Zeitgenossen damals wie heute können die beiden Sätze aus dem Munde Jesu nur wie der Ausdruck tiefsitzender Verwirrung gedeutet werden. Sie sind wohl zu paradox, um sich den auf Schwarz-Weiß-Kontrast konditionierten Gedanken erschließen zu können. Warum sollte jemand sein Leben wegwerfen, für etwas, das er nicht sicher weiß? Was man hat, hat man! Die Besitzstandswahrung ist nicht nur für Gewerkschafter und Kirchenangestellte ein hohes Gut. Auch die einfachen Männer und Frauen wollen, dass alles so bleibt, wie sie es für „normal“ halten. Wie sonst kann es sein, dass nach einer am 7.11.2018 veröffentlichten Studie der Universität Leipzig sich 55% aller Deutschen durch Muslime als „Fremde im eigenen Land“ fühlen3), obwohl der Bevölkerungsanteil der Muslime an der bundesdeutschen Bevölkerung derzeit bei lediglich 6,1% liegt4). Zu dem Eindruck trägt sicher bei, dass Muslime zunehmend sicht- und wahrnehmbar in den Stadt- und Dorfbildern sind. Muslimas, die ihr Kopftuch selbstverständlicher tragen als frühere Generationen, machen die Gegenwart des Islam sichtbar und verändern das Bild der Straße. Ist das schlimm? Glaubt man den Bedenkenträgern der Gegenwart, bedeutet das Kopftuch wohl den Untergang des Abendlandes. Tatsächlich aber macht sich hier wohl eher ein Verlust an Erinnerung breit, denn nur zwei Generationen voraus war es in vielen Städten Deutschland auch für die hier geborenen Frauen üblich, Kopftuch zu tragen. Kaum ein Bild von sogenannten Trümmerfrauen, in denen nicht Kopftücher zu sehen sind. Es ist der Verlust der Erinnerung, die das Kopftuch zur Gefahr werden lässt; und es ist der Verlust einer eigenen, fest verwurzelten Weltanschauung, die Muslime, die offenkundig über eine solche verfügen, zur Gefahr stilisiert. Vor allem aber ist es die Verklärung einer vermeintlichen Heimat, die so bleiben soll, wie sie war (ja, wie war sie denn überhaupt?), die sich nicht verändern darf. Es sind nicht die Fremden, die fremd machen. Genau in dieser Unfähigkeit und dem Unwillen zur Veränderung aber liegt der Keim einer geistigen Fäulnis, die ins Verderben führt.

Verlustprinzip

Die Bibel hingegen, die Ur-Kunde Gottes, erhebt die verändernde Kraft des Verlustes gar zum Lebensprinzip. Darauf weisen nicht nur die bereits zitierten Jesusworte hin. Ein einfacher Blick in eine Konkordanz zeigt, wie oft die Begriffe aus dem Wortfeld „ἀπολλύναι/ἀπολύειν/ἀπώλεια“ (gesprochen: apollynai/apolyein/apóleia – verlieren-verderben/loslassen/Verlust-Verderbnis) im Neuen Testament zahlreiche Verwendung findet. Das Abschiednehmen von Vertrautem, der Verlust von Gewohntem, die Veränderung scheint ein von Gott in seine Schöpfung gepflanztes Prinzip zu sein. Das fängt bei der sogenannten Vertreibung aus dem Paradies, die doch eher ein Aufbruch in ein mündiges Leben ist, an (vgl. Genesis 3,22-24), geht über Noah (vgl. Genesis 6,17-22;9,8-17) und Abraham (Genesis 12,1) bis zum Exodus Israels (Exodus 12ff). Die aufbrechende Veränderung ist bereits dem Volk Israel ebenso ins Herz gepflanzt wie das Tragen der ewig besitzstandswahrenden Bedenken:

Wären wir doch im Land Ägypten durch die Hand des HERRN gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten. Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt, um alle, die hier versammelt sind, an Hunger sterben zu lassen. Exodus 16,3

So reden eben die Zauderer, die lieber satt und faul sterben als die Chance der Ungewissheiten einer gestaltbaren Zukunft zu begreifen. Denn darum geht es immer: Um Gestaltung! So war es bereits für die beiden ersten Menschen, die von Gott mit dem Nötigsten und Wichtigsten ausgestattet ins Leben geschickt werden, damit sie selbst den Ackerboden bestellen und Leben hervorbringen. So war es bei Noah, der eine Arche mit eigenen Händen zu bauen hatte. So war es bei Abraham, der zum Urvater ganzer Völker werden sollte und so war es bei Israel, das einen neue Zukunft als Volk Gottes vor sich hatte und eben gestalten konnte – und im Gestalten immer wieder versagend sich doch wieder besann. Genau darin liegt die Kraft der Heiligen Schrift, dass sie die Erinnerungen von Generationen beständig vor Augen führt – Erinnerungen, die zeigen, dass selbst im Scheitern mit Gottes Hilfe eine Zukunft möglich ist. Wer sich auf Gott als Urgrund besinnt und sein Handeln in ihm verwurzelt, der kann – das lehren eben die Erfahrungen von Generationen – gelassen die Zukunft seines Lebens gestalten; der weiß, dass der Verlust von Gewohntem letztlich Freiheit für neue Möglichkeiten bedeutet. Oder, wie es der Psalmist sagt:

Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, nicht auf dem Weg der Sünder steht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN, bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt. Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Bächen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen. Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber verliert sich. Psalm 1

Talpassion_MariaMagdala
Alles andere als gewöhnlich ist die Begegnung zwischen Maria von Magdala und dem Auferstandenen. Aus der Verweigerung des Festhaltens entsteht einen neue Dynamik. (Szene aus "TalPassion")

Tradition heißt, nicht stehen zu bleiben

Die Verlusterfahrung ist auch den Christen ins Lebensbuch geschrieben. Bereits Maria von Magdala muss lernen, dass sie den Vertrauten, der vom Kreuzestod auferstanden ist, nicht halten kann:

Sie sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Johannes 19,14-17

Noch aber zeigt sich der Auferstandene wenigstens – ihr und auch seinen Jüngern, die mit dieser fundamentalen Veränderung der scheinbaren Normalität so ihre Schwierigkeiten haben. Spricht das Johannesevangelium noch von großer Freude im Angesicht des Auferstandenen, weiß Lukas von großer Angst zu berichten:

Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Lukas 24,36-38

Aber auch im Johannesevangelium gibt es den großen Bedenkenträger, der sich gegen die Normalität der Veränderung sperrt:

Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Johannes 20,24-25

Thomas wird sich erst an die Veränderung gewöhnen, wenn er des Unausweichlichen gewahr wird und es akzeptiert.

Verlustsignal

Die ultimative Verlusterfahrung steht den Jesusjüngern da aber noch bevor. Die, die dachten, mit seinem Tod am Kreuz sei er ihnen endgültig genommen worden, wurden da schon eines besseren belehrt. Aber sie sind noch nicht am Ende ihrer Lehrzeit angekommen. Sie sind noch nicht reif für die große Selbständigkeit. Sie haben noch nicht zuletzt verstanden, was die bei Johannes überlieferte Verheißung Jesu bedeutet:

Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. Johannes 14,16-21

Noch ist der Auferstandene ja bei ihnen. Doch es kommt die Zeit, wo sie auch dieser unmittelbaren Gewissheit seiner Gegenwart verlustig gehen werden:

Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen. Apostelgeschichte 1,6-11

Der Verlust Jesu scheint vollkommen. Jetzt ist er ihnen endgültig genommen – scheinbar! Sie schauen jedenfalls wie endgeistert zum Himmel empor. Sie begreifen immer noch nicht, dass es jetzt an ihnen ist, sich begeistert ins Leben zu begeben und das Werk Jesu weiterzuführen. Sie brauchen immer noch den Anstoß und die Aufforderung von Männern in weißen Gewändern. Ist es nicht zum verrückt werden mit diesen Jüngern? Liegt die Verlustangst nicht schon im Keim der Kirche gegründet?

Schaut man in die Weiterführung der Apostelgeschichte, könnte man diesen Eindruck gewinnen. Das erste, was die elf verbliebenen Apostel tun, ist die Wiederherstellung der gewohnten Zwölfergruppe. Das sind sie gewohnt. Der große Aufbruch aber steht noch bevor – das Aufbrechen des bloß scheinbar Gewöhnlichen, das Erkennen der Normalität der Veränderung in der Entsendung des Geistes, die die Furchtsamen zu mutigen Verkündern werden lässt. Und doch werden sie immer wieder in die Falle des Gewöhnlichen gehen. Bereits in der Frage der Heidentaufe wird die Normalität der Veränderung einer Probe unterzogen (vgl. Galater 2). Aber auch hier zeigt sich: Die normative Kraft der Veränderung ist unaufhaltsam. Sie ist unaufhaltsam, weil der Geist Gottes sie vorantreibt. Er ist der Geist der Veränderung.

Wer die Welt verändern möchte, muss sich verändern

Die Lehrzeit der Jünger Jesu war nie zu Ende. Und dabei waren sie die Augen- und Ohrenzeugen des Jesusereignisses. Gott sei Dank wurden ihre Zeugnisse authentisch aufgeschrieben, bevor sie ihren irdischen Weg beendeten. Nicht ohne Grund schreibt Lukas:

Schon viele haben es unternommen, eine Erzählung über die Ereignisse abzufassen, die sich unter uns erfüllt haben. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, nachdem ich allem von Beginn an sorgfältig nachgegangen bin, es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest. Lukas 1,1-4

Auch hier ist es kein Zufall, dass die Evangelien just im Übergang von der zweiten zur dritten christlichen Generation niedergeschrieben werden, als man sich der Aussagen authentischer Zeugen der berichteten Ereignisse noch vergewissern konnte.

Wenn man eins aus den Evangelien lernen kann, dann ist es eben die Normalität der Veränderung. Der Verlust des Gewöhnlichen wird zum Prinzip erhoben, damit Neues wachsen und entstehen kann. Der ultimative Verlust der leibhaftigen Gegenwart Jesu wird zum Signal für die Seinen, die Welt durch stetige eigene Veränderung immer wieder zu verändern.

Heute stehen Gesellschaft und Kirche erneut vor fundamentalen Veränderungen. Das ist normal! Wer jetzt nur bei Gewohntem stehenbleibt, wird innerliche Fäulnis ansetzen. Hier und da kann man sie sogar schon riechen. „Fürchtet euch nicht!“ – kann man da nur mit den Engeln rufen – „Gott, der Herr, ist bei euch. Er war es und er ist es und er wird es immer sein!“ Habt ihr das denn immer noch nicht gelernt? Lest ihr nicht mehr das Wort Gottes? Habt ihr nicht verstanden, dass der Geist treibt und nicht steht? Es muss sich offenkundig so einiges ändern, damit wieder Leben wird in diesen Zeiten …

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Bildnachweis

Titelbild: Sky (dgsoft) – Quelle: pixabay – lizenziert als CC0.

Bild1: TalPassion – Bild 8: Maria von Magdala (Annette Marks/Katholische Citykirche Wuppertal) – alle Rechte vorbehalten.

Einzelnachweis   [ + ]

1. Der Zugriff auf das Archiv ist etwa über die Freie Universität Berlin möglich: http://www.vha.fu-berlin.de [Stand: 11. November 2018].
2. Zitiert nach „Antisemitische Hashtags können zurückerobert werden“ (Eva Pfanzelter im Interview mit Eva Bucher), in: Zeit online, 27.1.2017, Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2017-01/holocaust-gedenktag-soziale-medien-denkmal-erinnerungskultur/komplettansicht [Stand: 11. November 2018].
3. Siehe hierzu https://www.uni-leipzig.de/service/kommunikation/medienredaktion/nachrichten.html?ifab_modus=detail&ifab_id=7983 [Stand: 11. November 2018].
4. Vgl. hierzu https://www.tagesschau.de/inland/studie-zahl-der-muslime-in-deutschland-101.html, 30.11.2017 [Stand: 11. November 2018].
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