Kapitel
Exegetica·Res publica

Blauschopf und Lichtgestalt Eine satirisch-ernste Reflexion über Sein und Schein der Meinungsmacher

Einflussreiche Persönlichkeiten zeichnen sich durch Meinungsmacht aus. Man sucht ihre Nähe, analysiert ihre Denkweise, schreibt ihnen bisweilen messianisches Charisma zu. Allein die Tatsache, dass die einflussreiche Persönlichkeit äußert, genügt oft schon als Wahrheitserweis. Die scheinbare Autorität des Einflussreichtums genügt, um die Quantität ungeachtet der Qualität der Aussagen einer einflussreichen Persönlichkeit zum Argument werden zu lassen. Die meinungsmachende Massentauglichkeit ist ehrfurchtgebieten. Setzt der Einflussreiche dann noch an, rhetorische Einläufe zu verpassen, erzittern selbst die mächtigen Granden und ringen um Fassung. Das alles ist nicht wirklich neu. Einflussreiche Meinungsmacher, Einflüsterer der Massen, Influencer, wie man sie heute nennt, die mit ihren viralen Botschaften Generationen zu infizieren imstande sind, gab es zu allen Zeiten – und das muss nicht zwingend negativ sein. Massentauglichkeit an sich ist ebenso wenig negativ wie die Fähigkeit, Meinungen zu machen – ersetzt man nämlich „Meinungsmacherei“ durch das Synonym „Meinungsbildung“, erlangt die Tätigkeit einflussreicher Influencer aller Zeiten durchaus eine positive Konnotation. Ob die so soufflierenden Einflüsterer Gutes oder Schlechtes im Schilde führen, offenbart letztlich das dargebotene Soufflé: Hält es stand, wurde Gutes geredet, fällt es in sich zusammen, war es nur heiße Luft … oder in der Diktion des Paulus:

Prüft alles und behaltet das Gute! 1 Thessalonicher 5,21

Bleu touché

Das war nicht nur zu allen Zeiten so, es gilt auch heute noch, wie die Wutrede – im Internetjargon „Rant“ (gesprochen: ränt) genannt – des YouTubers und Influencers Rezo (gesprochen: riso) zeigt. Rezo, dessen Markenzeichen unter anderem die blaue Haartracht ist, ist in seinen Youtube-Kanälen eher für die Sparte „Unterhaltung“ zuständig und veröffentlicht in seinem zum Youtube-Netzwerk „Tubeone“1) gehörenden Youtube-Kanälen sonst Comedy- und Musikvideos. Es ist schon überraschend, dass Rezo sein Genre verlässt und in dem am 18. Mai 2019 veröffentlichten Video „Die Zerstörung der CDU“2) zu einer politisch motivierten und agitativ gestalteten 55minütigen faktengestützten Rede über den Klimawandel, Bildungspolitik, Urheberrecht und Drogenpolitik anhebt, wobei er dazu aufruft, nicht die CDU (und etwas weniger die SPD und die AfD zu wählen). Die „Shownotes“, also die Begleitinformationen, unter dem Video listen eine Reihe von Belegen für die von Rezo vertretenen Behauptungen auf, die nach Prüfung einschlägiger Medien auch weitestgehend Bestand haben3). Machart und Botschaft des Videos „Die Zerstörung der CDU“ sind professionell4) und gleichermaßen für nicht ganz internetaffine Menschen verstörend. Die unbeholfenen Reaktionen der CDU auf das Video beweisen das – unter anderem, dass die CDU der massenmedialen Kommunikation des Internets nicht gewachsen zu sein scheint.

Der Blauschopf Rezo hat es der Volkspartei CDU gezeigt – Touché! Wie auch immer die Verflechtungen zwischen Rezo und dem Medienunternehmen Ströer zu bewerten sind – war zuerst Rezo da und trat später in eine Kooperation mit Ströer ein, oder ist Rezo ein Produkt des Medienunternehmens Ströer – Ströer scheint sich nicht gegen die stichhaltige Agitation Rezos zu wehren. Da hilft auch die mediale Metareflexion über die Reichweiten solcher Videos, die Influencer-Szene und die Klage der Unfähigkeit der Zufrühgeborenen, sich mit dem Internet und seinen kommunikativen Entwicklungen zu befassen nicht weiter. Viel interessanter scheint ohnehin die Frage zu sein: Wer ist Rezo? Gibt es ihn eigentlich? Oder ist er nur eine Kunstfigur, eine Erfindung medialer Strategen?

Die historische Frage nach dem Urheber

Ehe Sie, liebe Leserin und lieber Leser, den Verdacht äußern, hier würde Verschwörungstheorien das Wort geredet, sei daran erinnert, dass sich jede aufrechte Theologin und jeder aufrechte Theologe christlicher Provenienz genau diesen Fragen stellen muss, wenn es um den Urheber des christlichen Evangeliums geht: Wer ist dieser Jesus eigentlich? Hat es Jesus wirklich gegeben? Oder ist er nur eine Erfindung machtgieriger Fanatiker? Diese Fragen verstummen auch in der Gegenwart nicht – und sie sind berechtigt! Es geht ja auch um viel: Um Heilsgewissheit und die Behauptung, der Weg des christlichen Glaubens sei der Königsweg zu eben diesem Heil. Schließlich legt das Johannesevangelium dem behaupteten Urheber jene Worte in den Mund, die von einem zweifellosen Selbstanspruch Zeugnis ablegen:

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Johannes 14,6

Niemand kommt zum Vater außer durch Jesus – der Anspruch ist exklusiv! Wenn ein solch exklusiver Anspruch gestellt wird, sind gut 2000 Jahre nach solchen Worten die Fragen durchaus erlaubt, ob es diese Handwerkerssohn aus Nazareth überhaupt gegeben hat. Damit steht und fällt schließlich alles.

Gott sei Dank nicht nur die Bibel!

In der Tat muss man den Kritikern dankbar für ihren Zweifel sein. Es ist jener Zweifel, der das Suchen und Streben nach Erkenntnis vorantreibt. Im Fall des Jesus von Nazareth gibt es tatsächlich außerbiblische Hinweise, die nicht im Verdacht stehen gläubig verblendet zu sein – antike, pagane Texte, die von der irdischen Existenz Jesu reden und sie glaubhaft machen. Es sind eine Reihe von Texten, die aufzuzählen wären. Hier seine nur die erwähnt, die qualitativ von besonderer Bedeutung sind. So schreibt etwa der jüdische Historiker Flavius Josephus in den jüdischen Altertümern „Antiquitates Judaicae“ zu Beginn der 90er Jahre n.Chr., also etwa um die Zeit, in der das Johannesevangelium entsteht:

„Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er vollbrachte nämlich ganz unglaubliche Taten und war der Lehrer aller Menschen, die mit Lust die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Dieser war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorhergesagt hatten. Und bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort.“5))

Auch der römische Historiker Tacitus erwähnt in seinen Annalen die Existenz Jesu und kommt hier sogar auf seine Verurteilung durch Pontius Pilatus und seine Hinrichtung zu sprechen:

„Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, schob er die Schuld auf andere und verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen Verhassten, die das Volk ‚Chrestianer‘ nannte. Der Urheber dieses Namens ist Christus, der unter der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Für den Augenblick war [so] der verderbliche Aberglaube unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo das Übel aufgekommen war, sondern auch in Rom, wo alle Greuel und Abscheulichkeiten der ganzen Welt zusammenströmen und gefeiert werden.“6)

Alleine diesen beiden Quellen, die von antiken Historikern stammen, zeigen – selbst unter Beachtung, dass antike Historiker sicher nicht dem Wissenschaftsstandard verpflichtet waren, wie die neuzeitliche Geschichtsschreibung – dass an der historischen Existenz des Jesus von Nazareth kein Zweifel bestehen kann. Ja, Jesus hat wirklich gelebt, als Wanderprediger und Heiler gewirkt und ist unter Pontius Pilatus hingerichtet worden, was konsequenter Weise den Kreuzestod bedeuten muss, da die Römer nichtrömische Aufständische eben durch jene Hinrichtungsmethode vom Leben in den grausamen Tod zu befördern pflegten. Soweit die historischen Fakten, die kaum zu leugnen sind. Ob es auch eine Auferstehung des Gekreuzigten gegeben hat, ist historisch in diesem Sinn nicht nachweisbar – Tacitus spricht hier von Aberglauben.

Eine Sache des Glaubens

Freilich führt Paulus in 1 Korinther 15,5-8 über 513 Zeugen für die Auferstehung an und scheint die Zweifler in Korinth mit dieser Masse von Zeugen überzeugt zu haben7). Trotzdem entzieht sich die Auferstehung als solche dem historischen Zugriff, scheint der Auferstandene selbst doch nicht mehr als Teil der irdischen Welt, wie die Begegnung mit den Emmausjüngern zeigt, die den auferstandenen Jesus trotz ihres Weggefährtentums zu seinen irdischen Zeiten nicht nur nicht erkennen; in dem Moment, in dem sie ihn im Brotbrechen erkennen, entzieht er sich ihnen:

Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Lukas 24,30-31

Auch das Johannesevangelium geht von einer nichtphysischen Leiblichkeit des Auferstandenen aus, wenn dieser imstande ist, durch verschlossene Türen zu gehen:

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Johannes 20,26

Für Glaubende ist auch das Gewissheit. Der Glaube als Erkenntnis eröffnet den Zugang zu dieser Gewissheit. Beweisbar wie die irdische Existenz Jesu ist sie freilich nicht; unvernünftig ist sie aber auch nicht, weshalb Paulus darauf Wert legt, dass der Glaube mit Verstand, eben nicht unüberlegt angenommen werden muss:

Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen. 1 Korinther 15,1-2

Lichtgestalt ...

Aus der Sicht des Glaubens an den vom Kreuzestod Auferstandenen gewinnen auch die Worte und Taten des irdischen Jesus eine ganz neue Bedeutung. Nur allzu oft berichten die Evangelien von einem Nichtverstehen der Jünger dessen, was der irdische Jesus sagt und tut. Erst nach der Auferstehung erscheint alles in einem neuen Licht – so auch die merkwürdige Szene auf dem Berg Tabor, in der Jesus, seine Auferstehung vorwegnehmende, zur Lichtgestalt wird und sein wahres Wesen aufleuchtet:

Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien ihnen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und überschattete sie und es erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot er ihnen, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Markus 9,2-9 parr

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Ganz und gar nicht nett ... Den Heiland im Wutmodus zeigt die Tempelreinigung von Rembrandt.

... im Wutmodus

Viele spätgeborene Christgläubige sehen sich nach einer solchen Erfahrung – und übersehen dabei, dass auch Petrus, Jakobus und Johannes nicht sofort verstehen, was da geschieht. Erst von der Auferstehung her werden sie erkennen, dass sich hier schon die Göttlichkeit im Menschen Jesus gezeigt hat. Die Zeit aber ist noch nicht reif. Als sie es aber erkennen, erinnern sie auch seine Worte und Taten – und hier eben nicht nur jene netten Gesten, guten Taten und lieben Worte, die die frommen Herz-Jesu-Seelen noch heute so gerne in den Vordergrund rücken; freilich wäre ein solcher lieber Herr Jesus, so ein netter Kerl kaum gekreuzigt worden. Im Gegenteil: Der Heiland war zur Wutrede imstande, wie die Wehe-Reden gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer in Matthäus 23,1-39 par zeigen. Zynisch, sarkastisch, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, rantet Jesus auf eine Weise, die auch dem modernen Video-Influencer durchaus das Wasser reichen kann. Ein Auszug gefällig? Bitte:

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Denn ihr selbst geht nicht hinein und lasst die nicht hinein, die hineingehen wollen. Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen; und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr selbst. Weh euch, ihr seid blinde Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, gilt es nicht, wenn er aber beim Gold des Tempels schwört, gilt es. Ihr blinden Narren! Was ist wichtiger: das Gold oder der Tempel, der das Gold erst heilig macht? Auch sagt ihr: Wenn einer beim Altar schwört, gilt es nicht, wenn er aber bei dem Opfer schwört, das auf dem Altar liegt, gilt es. Ihr Blinden! Was ist wichtiger: das Opfer oder der Altar, der das Opfer erst heilig macht? Wer beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt. Und wer beim Tempel schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. Und wer beim Himmel schwört, der schwört beim Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt. Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz außer Acht: Recht, Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt die Mücke aus und verschluckt das Kamel. Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr haltet Becher und Schüsseln außen sauber, innen aber sind sie voll von Raffsucht und Gier. Du blinder Pharisäer! Mach den Becher zuerst innen sauber, dann ist er auch außen rein. Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie getünchte Gräber, die von außen schön aussehen, innen aber voll sind von Knochen der Toten und aller Unreinheit. Matthäus 23,13-27

Ein Schelm, wer bei den getünchten Gräber, die außen schön, innen aber voller Tod sind, an ehemals meinungsmachende Institutionen wie die früheren Volksparteien CDU und SPD, aber auch die Kirche, denkt …

Rezo – wer und wo bist Du?

Die kritischen Fragen nach dem historischen Jesus haben sich nicht nur als berechtigt erwiesen, sondern sogar als erkenntnisbereichernd. Der Handwerkerssohn aus Nazareth ist ebenso wenig ein Phantom wie seine Botschaft. Für Christen, die im Glauben zu der Erkenntnis seiner Auferstehung gelangen, geht es sogar noch einen Schritt weiter: Jesus Christus ist in sich die fleischgewordene Botschaft (vgl. Johannes 1,14) – Bote und Botschaft sind eins! Umso notwendiger erscheint die Frage nach der irdischen Existenz Jesu und ihre Beantwortung. Wie aber verhält es sich mit dem YouTouber Rezo, dessen Botschaft im Video „Die Zerstörung der CDU“ zweifellos von einflussreicher Meinungsmacht ist. Gibt es Rezo wirklich? Oder ist er nur ein Kunstprodukt?

Wer sich auf die Spurensuche nach dem historische Rezo gibt, wird sich internettypisch zuerst bei seinem Wikipedia-Eintrag kundig machen8). Dort fällt auf, dass wenig handfeste Fakten dokumentiert werden. Nach Rezos „eigenen Angaben“ soll er am 14.8.1992 in Wuppertal geboren sein. Ebenso benennt er selbst Aachen als seinen Wohnort. Eine Werbebroschüre gibt an, dass er in einer Pfarrersfamilie aufwuchs, ohne dass das durch Angabe von Orts-, Zeit- oder Namensangaben dokumentiert würde9). Auch ein Zeugnis, das vermeintlich seinen Abschluss als „Master of Science“ im Fach Informatik an der Technischen Universität Dortmund belegen soll10), trägt wenig aus: Der Name ist gepixelt, die das Dokument haltende Hand sieht man nicht und die Urkunden wirken merkwürdig glatt – müssten sie bei dieser Haltung nicht mehr gebogen sein und überhaupt: wirkt das Bild nicht arg gephotoshopt?

Hinzu kommt, dass eine Google-Bildersuche von Rezo mit Stand vom 2. Juni 2019 nur „offizielle“ Bilder zutage fördert. Wäre es bei einer so prominenten und durch die tolle blaue Locke kaum zu übersehende Internetpersönlichkeit nicht zu erwarten, dass da auch Fanselfies oder andere Schnappschüsse, sorry: Snapshots, aus dem Alltag zu erwarten seien – etwa Rezo bei McDonalds oder Burger King, Rezo beim Konzertbesuch, Rezo beim Einkaufen? Nichts dergleichen findet man. Im Gegenteil: Der Ranter Rezo entzieht sich dem öffentlichen Zugriff. Einladungen der CDU schlägt er mit dem Hinweis aus, er würde nur kommen, wenn die Klimapolitik in seinem Sinne geändert worden ist11) (das wird angesichts realpolitischer Erwägungen aber erst am Sankt-Nimmerleins-Tag sein). Laut einer Meldung der zweifelhaft seriösen Meinungsmacher der Bild-Zeitung vom 1.6.2019 weist er mittlerweile sogar darauf hin, dass er komplett anonym bleiben möchte12). Er selbst sagt laut einem Twitterpost vom 29.5.2019 über sich selbst:

„Daher finde ich es nicht so wichtig, dass mit mir gesprochen wird, sondern über dieses Thema.“13)

Der irdische Rezo entzieht sich also immer wieder dem Zugriff. Vom historischen Jesus sind nach Stand der Dinge mehr Fakten gesichert bekannt, als von dem meinungsstarken Influencer. Ist er also ein Phantom, eine mediale Kunstfigur? Gibt es Rezo oder gibt es ihn nicht?

Die Botschaft zählt!

Die Frage ist ebenso berechtigt wie die Frage nach dem historischen Jesus. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Jesus von Nazareth ist als Bote selbst die Botschaft – und kann gerade deshalb für sich in Anspruch nehmen, der Weg, die Wahrheit und das Leben zu sein (vgl. Johannes 14,6). Ein solcher Anspruch ist der Figur „Rezo“ völlig fremd. Es geht ihm um die Botschaft an sich. So oder so ist es die Botschaft, die zählt. Ist die Botschaft wahr oder ist sie falsch? Wenn die Botschaft Jesu wahr ist, der in Person die Botschaft ist, dann hängt alles an seiner historischen Existenz. Ist die Botschaft Rezos wahr, von der er nur der Bote ist, dann ist es egal, wie, warum und auf welche Weise diese Botschaft in die Welt kommt. Sie ist wirkungsvoll in die Welt gesetzt worden. Offenkundig ist Rezos Botschaft wahr! Also hört mit den Kriteleien auf der Meta-Ebene auf! Beschäftigt euch mit der Botschaft! Nehmt sie euch zu Herzen! Zieht die Konsequenzen daraus! Ändert euer Verhalten! Prüft alles, das Gute behaltet! Meidet das Schlechte, tut das Gute! Und verachtet prophetisches Reden nicht! Auch wenn es von einem blauhaarigen Phantom kommt – wenn es denn ein Phantom ist! Und für Christgläubige gilt zusätzlich: Handelt endlich nach dem Evangelium dessen, der im Lichte Gottes ist! Wenn ihr von Dienst redet, dient gefälligst und strebt nicht permanent nach Macht! Wenigstens darin sind sich der vom Kreuzestod Auferstandene und Rezo wohl einig: Macht korrumpiert und der Mammon verdirbt. Wer jetzt noch sagt, man könne selbst als nominal christliche Partei aus dem Geist des Evangeliums keine Politik machen, der ist der Selbstzerstörung näher, als sie ahnt …

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Bildnachweis

Titelbild: outdoor-light-people-white-night-ice (Ausschnitbearbeitung: Werner Kleine) – Quelle: pxhere – lizenziert als CC0.

Bild 1: Tempelreinigung (Rembrandt) – Quelle: Wikicommons – lizenziert als gemeinfrei.

Einzelnachweis   [ + ]

1. Das Netzwerk Tubeone gehört seinerseits zur Medienunternehmen Ströer Media (Quelle: https://tubeone.com [Stand: 2. Juni 2019]), dessen Marktmacht mit 1,5 Milliarden EUR eingeschätzt wird.
2. Das Video ist unter https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ [Stand: 2. Juni 2019] abrufbar.
3. Vgl. etwa Lars Fischer, Rezo wissenschaftlich überprüft, in: Spektrum.de, 24.5.2019, Quelle: https://www.spektrum.de/video/rezo-wissenschaftlich-ueberprueft/1647696 [Stand: 2. Juni 2019].
4. Selbst Jugendbischof Stefan Oster zollt dem YouTuber Rezo Respekt und spricht von einem überraschend neuen und gut gemachten Impuls (siehe hierzu https://www.domradio.de/themen/bistümer/2019-05-29/handwerklich-klasse-rhetorisch-brillant-bischof-oster-rezo-video-fordert-kirche-heraus [Stand: 2. Juni 2019]) – wobei freilich die YouTuber-Szene im Jahr 2019 so ganz neu auch nicht ist …
5. Flavius Josephus, Antiquitates Judaicae, 18,63-64 (Übersetzung nach Gerd Theißen/Annette Merz: Die Quellen und ihre Auswertung, in: Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen 2011, S. 75
6. Tacitus, Annalen, 15,44 (Übersetzung nach Gerd Theißen/Annette Merz: Die Quellen und ihre Auswertung, in: Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen 2011, S. 89).
7. Siehe hierzu den Dei-Verbum-Beitrag „Todsicher auferstanden“ vom Autor dieses Beitrages.
8. Vgl. hierzu https://de.wikipedia.org/wiki/Rezo [Stand: 2. Juni 2019].
9. Vgl. hierzu https://www.nfte.de/wp-content/uploads/2018/04/Eine-Blitzkarriere-im-Web-hat-der-YouTube-Star-Rezo-hingelegt-Seite-55.pdf [Stand: 2. Juni 2019].
10. Vgl. hierzu https://imgur.com/a/hGFTTOj [Stand: 2. Juni 2019].
11. Vgl. hierzu https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-05/youtuber-rezo-cdu-spd-gespraech-bedingungen [Stand: 2. Juni 2019].
12. Vgl. https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/widersprueche-eines-youtube-stars-warum-rezo-anonym-bleiben-will-62346078.bild.html [Stand: 2. Juni 2019].
13. Quelle: https://twitter.com/rezomusik/status/1133770496418492417 [Stand: 2. Juni 2019] (Hervorhebungen im Original).
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