Ecclesiastica

Zurechtweisung des Synodalen Wegs Was Nächstenliebe mit der kirchlichen Diskussionskultur zu tun hat


den Artikel
vorlesen lassen

Der Synodale Weg suggeriert viel Bewegung, doch es besteht die Gefahr, dass am Ende nur ein leerer Stuhlkreis bleibt und dass selbst die Stühle verschwinden, wie beim Spiel „Reise nach Jerusalem“: man dreht sich nur im Kreis, während diejenigen, die sich im Kreis drehen, immer weniger werden. Daher ist es gut, dass die Kritik – von links und von rechts – laut und deutlich zu vernehmen ist. Es geht nicht um den Weg ins Nirgendwo, nicht um Verbandsmeierei, sondern um die eine Katholische Kirche in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit ihren traditionalistischen und liberalen Strömungen.

Es ist eine gute alte, monastische Tradition durch Zurechtweisungen Gemeinschaft zu schaffen: die sogenannte correctio fraterna. Probleme müssen offen angesprochen werden in der Gemeinschaft. Wer Greuel gären lässt, der schäumt über. In der Versammlung der Herausgerufenen, als die sich die Kirche (Lateinisch: ekklesia) versteht, gilt es sich gegenseitig die Leviten zu lesen:

Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen … . Levitikus 19,17

Nicht nur im Buch Levitikus, sondern im gesamten Alten Testament ist das Herz nicht ein Ort der Gefühle und Emotionen, sondern der Sitz des Denkens und des vernünftigen Entscheidens. Dort hat Hass keinen Platz, ansonsten entwickelt sich aus ihm die Sünde. Durch Hass auf den anderen, durch das Zerbrechen der Gemeinschaft, würde der Glaubensbruder und auch die Glaubensschwester zum Ort der Sünde. Daher gilt für die Geschwister im Glauben:

… Weise deinen Mitbürger zurecht, so wirst du seinetwegen keine Sünde auf dich laden. Levitikus 19,17

Und dieser Ratschlag ist eng verbunden mit dem folgenden Gebot der Nächstenliebe, dass gemäß Jesu, zum Kern des Willens Gottes gehört (Matthäus 22,39 par). Denn Nächstenliebe kann auch heißen, auf Fehler aufmerksam zu machen und durch offene Aussprachen Gemeinschaft zu schaffen. Aber eine Zurechtweisung ist nur dann angemessen, wenn sie aus Liebe zum Nächsten geschieht.

Hass kann schnell zu ungewollten Taten führen, zu Groll oder gar zum Handeln aus Rache. Dem entgegen steht das im nächsten Vers folgende Gebot der Nächstenliebe :

An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Levitikus 19,18

Anstatt aus Hass soll man aus Liebe handeln, denn – und so wird das Kapitel im Buch Levitikus eingeleitet:

Seid heilig, denn ich, der HERR, euer Gott, bin heilig. Levitikus 19,2

Die Heiligkeit der Menschen – im Besonderen derjenigen, die sich als Volk Gottes verstehen, zielt darauf liebend zu handeln, denn Gott ist heilig. Im eigenen Handeln, soll sich die Heiligkeit Gottes in der Welt abbilden. Und diese menschliche Heiligkeit ist kein Status, keine Auszeichnung, sondern ein Lebensweg, der sich immer aufs Neue beweisen muss. Sie zeigt sich in Gerechtigkeit, wie der Prophet Jesaja betont. Die Heiligkeit Gottes zeigt sich in seiner Gerechtigkeit:

… der heilige Gott erwies sich als heilig in Gerechtigkeit. Jesaja 5,16

Gottes Weg ist Liebe und Gerechtigkeit. Um dies abzubilden bedarf es einer synodalen correctio fraterna – keinem Lagerdenken. Es bedarf einer Offenheit, die die Diskussion bestimmt, in der gilt:

Rüge den Weisen, dann liebt er dich! Sprichwörter 9,8b

Empfehlen Sie diesen Artikel weiter
  • Share this on WhatsApp
Wenn Sie über die Veröffentlichung neuer Texte informiert werden möchten, schicken Sie bitte eine E-Mail, mit dem Betreff „Benachrichtigung“, an mail@dei-verbum.de

Bildnachweis

Titelbild von Philippe Montes auf Pixabay.

Weitere Beiträge:

1 Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.