Ecclesiastica

Suche nach Stille im Kirchenlärm „Dir ist Schweigen Lobgesang, Gott“ (Psalm 65,2)


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Abseits aller Seiten des kirchlichen Diskussionsraums herrscht Stille. Dort zieht es mich hin – nicht in das Desinteresse, nicht in die Glaubenskrise, nicht in den Relevanzverlust. Die stille Kontemplation verheißt, ruhige, erfrischende Wasser in stürmischen Zeiten. Ruhe – kein Verstummen, aber auch kein Aneinander-Vorbeireden und auch kein Weghören. Einfach aufstehen und weggehen von dem ewigen Stuhlkreis – weg von diesem starren Tanz um eine Mitte, in der scheinbar verloren der göttliche Wille steht. Doch entgegen dem Volksmund lehren die Psalmen, dass Schweigen Silber und Klagen Gold wert ist.

Das biblische Klagen lehrt einen die Furcht: „Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig!“ (Psalm 83,2). Wenn seine unüberhörbare Stimme verstummt, bedeutet dies Gottesferne; dann sind wir in unserer Zeit verloren und unser Reden verläuft sich. Man wird sagen: „Sie rufen – aber da ist kein Helfer – zum HERRN, aber er antwortet ihnen nicht.“ (Psalm 18,42). O Gott, komm uns zu Hilfe! Herr, eile uns zu helfen.

Vielleicht liegt das Heil außerhalb der kirchlichen Diskussionsräume – dort, wo die Stille ist. Denn wir bekennen: „Dir ist Schweigen Lobgesang, Gott“ (Psalm 65,2). Dieses Schweigen ist kein Unterlassen des Redens; das würde auf Hebräisch durch ein anderes Wort angezeigt (חשׁה, siehe Kohelet 3,7). Nein für Gott ist דּוּמִיָּה (gesprochen: dumijjah) ein Lobpreis. Dies ist die stille Erwartung, es werde eine heilvolle Wende geben. Genaugenommen ist es nicht einmal eine Handlung, die mit diesem hebräischen Wort beschrieben wird, sondern ein Zustand: „Bei Gott allein wird ruhig (דּוּמִיָּה) meine Seele, von ihm kommt mir Rettung.“ (Psalm 62,2). Dies ist kein wortloses Schweigen, sondern eine Erhörungsgewissheit. Sie ist die Grundlage für unser Klagen. In gläubigem Gehorsam eilten die Verfasser der antiken, griechischen Übersetzung diesem Wort bereits voraus: „Dir gebührt ein Loblied, Gott“ (Psalm 64,2 LXX). Dank sei allen, die nicht verstummen! Mögen sie Ruhe in Erhörungsgewissheit finden und die notwendige Reform der Kirche zu einem lobpreisenden Freudentanz werden lassen, in dessen Mitte Gottes großer Wille – seine Gnade – steht.

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