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Ecclesiastica·Pastoralia

Zielvorgabe! oder: Wer einen Weg beginnt, muss ihn vom Ende her denken


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Zu den beliebtesten Symptomen pastoraler Ratlosigkeit zählt der Rückgriff auf die Aussage des fernöstlichen Philosophen Konfuzius, der Weg sei das Ziel. Das mag in einem zirkulären Weltbild, das den ewigen Kreislauf beschwört, noch einigermaßen in sich stimmig erscheinen. Christen hingegen streben auf ein Ziel zu. Der Weg ist im wahrste Sinn des Wortes Methode (vom griechischen μέθοδος/gesprochen: méthodos – wörtlich: Weg nach/zu etwas) ein Ziel zu erreichen. So schreibt Paulus im Brief an die Philipper:

Denn unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich auch alles unterwerfen kann. Philipper 3,20-21

Pastorales Powerjogging im Hamsterrad

Das Zitat aus dem Philipperbrief macht deutlich, dass Paulus vom Ende, vom Ziel her denkt. Ein Weg, der kein Ziel hat, führt ins nichts; kein Glück wird ein Mensch finden, der im Weg das Ziel selbst erblickt. Kreislaufend wird er in Schwindel geraten; die Herausforderungen, die der Geist in der Zeit stellt, wird er so aber nicht bewältigen.

Das zeigt sich auch an vielen pastoralen Initiativen, die nicht selten die Weg-Metapher im Namen tragen. Von Aufbrüchen ist da die Rede oder einer Kirche, die an die Ränder gehen muss. Besonders bemerkenswert sind aber die Projekte, die zukünftige Wege beschwören, Zukunftswege halt, und damit das Alibi des Verharrens auf dem Status quo gleich mitliefern, denn ein Zukunftsweg muss nicht jetzt begonnen werden, sondern morgen. Und weil morgen wieder ein Morgen ist, verschiebt man den beschworenen Aufbruch von Tag zu Tag. Solche Zukunftswege werden zu manifesten Standortbestimmungen, bei denen man sich immer neu seiner selbst vergewissert – eine immerwährende Aufgabe, die nie an ein Ziel gelangen kann, denn der Mensch ist sich selbst ein Abgrund.

So gleichen denn auch viele Pastoralinitiativen Laufbändern, auf denen energiezehrendes Powerjogging betrieben werden kann, ohne dass man auch nur einen Schritt vom Fleck weg käme.

Motivator Abraham

Um eine allzu schnelle Ermüdung zu vermeiden, werden die derart pastoral Aktiven mit schöner Regelmäßigkeit an den Urvater Abraham erinnert. Man solle es wie er machen und eben voll Vertrauen aufbrechen. Meist ist damit auch der Appell verbunden, dass man – wie Abraham – Vertrautes verlassen müsse1). Freilich sind damit meist die Vertraulichkeiten der Glieder des Volkes Gottes gemeint, seltener bis gar nicht die Gewohnheiten kirchenrechtlich verbriefter Hierarchien. Noch heute erscheint es in vielen (Erz-)Diözesen wahrscheinlicher, dass Gemeinden und Kirchen geschlossen bzw. aufgelöst werden2), weil aufgrund sinkender Priesterzahlen nicht überall sonntäglich die Eucharistie gefeiert werden kann, als dass sich die Gemeinde in solchen Situationen in sonntäglichen Wort-Gottes-Feiern um Gott versammelt, der doch gerade auch im λόγος (gesprochen: lógos), in seinem Wort in der Mitte seines Volkes präsent ist. Es heißt doch im Johannesprolog:

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes 1,14

Wortgestalter

Mit der Fleischwerdung nimmt das Wort Gottes Gestalt an. Es muss immer wieder neu Gestalt annehmen in denen, die es verkünden. Die Verkündigung des Wortes Gottes aber ist die Aufgabe der Getauften. Um diese Aufgabe zu verdeutlichen, zitiert der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki in seinem Fastenhirtenbrief aus dem Jahr 2017 ein Gebet aus dem 14. Jahrhundert:

„Christus hat nur unsere Hände, um Seine Werke heute zu tun. Er hat nur unsere Füße, um Menschen auf Seinen Weg zu begleiten. Er hat nur unsere Lippen, um heute von Ihm zu erzählen. Wir sind Gottes Botschaft, in Taten und Worten geschrieben.“3)

Damit das Wort Gottes Gestalt annehmen kann, müssen es sich die Verkünderinnen und Verkünder selbst zu eigen machen. Man muss es selbst lesen, hören, um Verstehen ringen. Und nicht selten wird dabei deutlich, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Auch mit dem vermeintlichen Glaubensmut des Abraham ist das so.

Scheinbar bloßes Gottvertrauen

Das christliche Bild der Glaubenskraft Abrahams ist nicht zuletzt durch Paulus intensiv beeinflusst worden. Er selbst ist es, der sowohl im Galaterbrief als auch im Römerbrief den Glauben Abrahams als Vorbild herausstellt:

So auch bei Abraham: Er glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Erkennt also: Die aus dem Glauben leben, sind Söhne4) Abrahams. Und da die Schrift vorhersah, dass Gott die Völker aufgrund des Glaubens gerecht macht, hat sie dem Abraham im Voraus verkündet: In dir sollen alle Völker gesegnet werden. Also werden sie, die glauben, gesegnet mit dem glaubenden Abraham. Galater 3,6-8

Was sollen wir nun von Abraham sagen, was hat er erlangt unser leiblicher Stammvater? Wenn Abraham aufgrund von Werken Gerechtigkeit erlangt hat, dann hat er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott. Denn was sagt die Schrift? Abraham glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Römer 4,1-3

Beide Texte beschwören den Glauben Abrahams und sein Gottvertrauen. Beide führen hierzu ein Zitat aus dem Buch Genesis an:

Und er glaubt dem HERRN und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an. Genesis 15,6

Göttlicher Vertrauensvorschuss

Den Kontext des Zitates bildet der Bund Gottes mit Abraham, der zu Beginn der Erzählung noch Abram heißt:

Nach diesen Ereignissen erging das Wort des HERRN in einer Vision an Abram: Fürchte dich nicht, Abram, ich selbst bin dir Schild; dein Lohn wird sehr groß sein. Abram antwortet: Herr und Gott, was kannst du mir geben? Ich gehe kinderlos dahin und Erbe meines Hauses ist Eliëser aus Damaskus. Und Abram sagte: Siehe, du hast mir keine Nachkommen gegeben; so wird mich mein Haussklave beerben. Aber siehe, das Wort des HERRN erging an ihn: Nicht er wird dich beerben, sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein. Er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Und er glaube dem HERRN und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an. Genesis 15,1-6

Das Gottvertrauen Abrams rekurriert also nicht auf den Aufbruch aus Ur in Chaldäa, der ohnehin weder als Initiative Gottes oder Abrams sondern Terachs, des Vaters Abrams, dargestellt wird, der Ur in Richtung Kanaan verlässt, um sich dann aber in Haran anzusiedeln (vgl. Genesis 11,31); er bezieht sich auf die Verheißung von Nachkommenschaft. Gott hingegen muss Abrams sogar im Folgenden erinnern, dass er der Impuls für den Fortgang aus Ur in Chaldea war:

Er [der HERR, WK] sprach zu ihm: Ich bin der HERR, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu Eigen zu geben. Da sagte Abram: Herr und GOTT, woran soll ich erkennen, dass ich es zu Eigen bekomme? Genesis 15,7-8

Die Worte Abrams zeugen nicht von großem Vertrauen in die Verheißung Gottes. Er möchte Belege haben – und genau das passt zu der bisherigen Geschichte Abrams mit Gott, die zwar von einem großen Vertrauensvorschuss Gottes spricht, dem Abram aber menschliches Planen entgegenstellt.

Aufbruch mit Sack und Pack ...

Der Aufbruch Abrams wird in Genesis 12 geschildert:

Der HERR sprach zu Abram: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich werde segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen. Genesis 12,1-3

Der Aufruf Gottes erscheint programmatisch. Wer die Abram/Abraham-Geschichte zu Ende liest, wird die Verheißung im Nachhinein erfüllt sehen. Bis es soweit ist, wird Abram, der erst spät zu Abraham werden wird (vgl. Genesis 17,5), viele Umwege gehen müssen – Wege, mit denen er selbst wohl glaubte, an sein Ziel zu gelangen. Zuerst aber zieht Abram tatsächlich los:

Da ging Abram, wie der HERR ihm gesagt hatte, und mit ihm ging auch Lot. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er von Haran auszog. Abram nahm seine Frau Sarai mit, seinen Neffen Lot und alle ihre Habe, die sie erworben hatten, und alle, die sie in Haran hinzugewonnen hatten. Sie zogen aus, um in das Land Kanaan zu gehen, und sie kamen in das Land Kanaan. Genesis 12,4-5

Pyroclastic_flows_at_Mayon_Volcano
Hungersnöte können in der Antike viele Ursachen gehabt haben. Einer könnte der Vulkanausbruch von Santorin gewesen sein. Die Explosion hatte nicht nur pyroklastische Ströme zur Folge; sie bracht auch enorme Staubmengen in die Atmosphäre ein, die die Sonne verdunkelten und zu Minderernten führten.

... in den Umweg

Der Text betont, dass Abram sein ganzes Hab und Gut mitnahm. Es ist eben kein Aufbruch, der Vertrautes zurücklässt. Abram lässt nichts zurück. Er nimmt alles mit. Und er hält Kontakt zu seiner Vergangenheit5): In Genesis 24,1-9 wird geschildert, wie Abraham seinen Knecht losschickt, um eine Frau fr seinen Sohn zurück zu bringen:

Du sollst in mein Land und zu meiner Verwandtschaft gehen und eine Frau für meinen Sohn Isaak holen. Genesis 24,4

Der Aufbruch des Abraham in Genesis 12,4 bedeutet also weder eine Zurücklassung von Besitz noch einen Bruch mit bisherigen Beziehungen. Das Gewohnte hat weiterhin Bestand.

Freilich bleibt die Motivation für den Aufbruch noch im Dunkeln. Sie wird erst im Folgenden deutlich, denn Abram bleibt nicht in den fruchtbaren Gebieten Kanaans, sondern zieht dem Negeb zu (vgl. Genesis 12,9) – also in ein Wüstengebiet, das in krassem Kontrast zu den fruchtbaren Weideflächen Harans steht. Das Verhalten scheint irrational – und gerade in dieser Irrationalität scheint das Gottvertrauen Abrams umso deutlicher hervorzutreten. Freilich berichtet der Text weiter:

Es kam aber eine Hungersnot über das Land. Da zog Abram nach Ägypten hinab, um sich dort als Fremder niederzulassen; denn die Hungersnot lastete schwer auf dem Land. Genesis 12,10

Was auch immer die Hungersnot ausgelöst hat – einiges mag für eine Vulkanexplosion auf Santorin (der sogenannten minoischen Eruption)6) um 1600 v. Chr. sprechen, die zu einer globalen Katastrophe geführt und sich in das kollektive Gedächtnis der antiken Menschen eingeprägt haben dürfte –, sie könnte der eigentliche Anlass für den Aufbruch gewesen sein. Von hier aus erscheint es durchaus sinnhaft, dass Abram das (ehemals?) fruchtbare Haran verlässt und durch Kanaan hindurch in den Negeb zieht. Aber auch dort ist er noch nicht am Ziel angelangt, sondern er zieht nach Ägypten weiter.

Ein Trickser vor dem HERRN

Gerade in Ägypten aber erweist sich, dass das Gottvertrauen Abrams noch Luft nach oben hat. Er erweist sich als Trickser, der sogar seine eigene Frau, die laut Genesis 20,12 seine Halbschwester ist, zum Zwecke des eigenen Wohles anderen Männern überlässt:

Als er sich Ägypten näherte, sagte er zu seiner Frau Sarai: Ich weiß, du bist eine Frau von großer Schönheit. Wenn dich die Ägypter sehen, werden sie sagen: Das ist seine Frau! Und sie werden mich töten, dich aber am Leben lassen. Sag doch, du seist meine Schwester, damit es mir deinetwegen gut geht und ich um deinetwillen am Leben bleibe. Als Abram nach Ägypten kam, sahen die Ägypter, dass die Frau überaus schön war. Die Beamten des Pharao sahen sie und rühmten sie vor dem Pharao. Da wurde die Frau in das Haus des Pharao genommen. Er behandelte Abram ihretwegen gut: Er bekam Schafe und Ziegen, Rinder und Esel, Knechte und Mägde, Eselinnen und Kamel. Doch der HERR schlug den Pharao und sein Haus wegen Sarai, der Frau Abrams, mit schweren Plagen. Da rief der Pharao Abram und sagte: Was hast du mir da angetan? Warum hast du mir nicht kundgetan, dass sie deine Frau ist? Warum hast du behauptet: Sie ist meine Schwester, sodass ich sie mir zur Frau nahm? Jetzt aber, siehe, da hast du deine Frau wieder, nimm sie und geh! Da befahl der Pharao seinetwegen Männern, ihn, seine Frau und alles, was ihm gehörte, fortzuschaffen. Genesis 12,11-20

Die klagenden Fragen des Pharao sind nur zu berechtigt. Warum hat Abram das alles getan? Sicher nicht aus Gottvertrauen, sondern aus eigenem, kühlem Kalkül zu Zwecke des eigenen Überlebens. Und so wird es weitergehen und Abram wird noch lange nicht in das verheißene Land ziehen. Er zieht wieder in den Negeb (vgl. Genesis 13,1); er kann nicht warten, bis der von Gott verheißene Nachkomme gezeugt ist, sondern zeugt – freilich auf Initiative seiner Frau Sarai (vgl. Genesis 16,2)– einen leiblichen Nachfahren mit der Magd Hagar (vgl. Genesis 16,1-15); und er glaubt, mit Gott handeln zu können um das Überleben der Städte Sodom und Gomorra (vgl. Genesis 18,16-33). Zehn Gerecht sollten genügen, um die Stadt zu verschonen. Gott aber dürfte längst gewusst haben, dass selbst diese Zehn sich nicht finden lassen.

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Nicht einmal zehn Gerechte in zwei Städten - der Untergang Sodoms und Gomorras.

Kontrollverlust

Abram versucht es immer wieder auf eigene Faust. Sein Glaube an Gott ist weniger von Vertrauen, sondern von Kontrolle geprägt. Gott aber gewährt Abram immer wieder einen Vorschuss an Vertrauen. Immer wieder bietet er ihm den Bund an. Schritt für Schritt führt er Abram/Abraham zum Ziel. Erst in der großen Erprobung Abrahams wird sich dessen Glaube bewähren: Abraham soll den ersehnten Nachkommen aus dem Schoß der Sarai binden und opfern. Und Abraham gehorcht diesmal ohne Umschweife und Tricksereien dem Wort Gottes:

Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar! Genesis 22,2

Abraham folgt dem ungeheuerlichen, ja irrationalen Auftrag. Jetzt, erst jetzt erweist er sich als Glaubender voller Gottvertrauen. Das Ziel des Weges, den er jetzt geht, erscheint als Katastrophe, aber er geht ihn. Gott aber rechtfertigt dieses endlich gefundene Vertrauen Abrahams. Ein Engel des HERRN verhindert das Opfer Isaaks, so dass es nur bei seiner Bindung bleibt:

Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. Genesis 22,12

Vom Ende her gedacht

Jetzt erst erfüllt sich die Verheißung Gottes an Abraham:

Weil u das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken, in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen. Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

Bis es soweit war, hat es mehr als 25 Lebensjahre Abrahams gebraucht. Man wird also vorsichtig sein müssen, und den Aufbruch Abrams als Motivation für die Veränderung pastoraler Wirklichkeiten zu benutzen. Viele Irrungen und Wirrungen müssten dann gegangen werden, bis die Kirche ihren Weg findet.

Besser erscheint es hingegen, den notwendigen Aufbruch vom Ziel her zu denken, so wie Paulus es im Römerbrief tut:

Denn Abraham uns seine Nachkommen erhielten nicht aufgrund des Gesetzes die Verheißung, Erben der Welt zu sein, sondern aufgrund der Glaubensgerechtigkeit. Wenn nämlich jene Erben sind, die aus dem Gesetz leben, dann ist der Glaube entleert und die Verheißung außer Kraft gesetzt. Denn das Gesetz bewirkt Zorn; wo aber kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung. Deshalb gilt: aus Glauben, damit auch gilt: aus Gnade. Nur so bleibt die Verheißung für die ganze Nachkommenschaft gültig, nicht nur für die, welche aus dem Gesetz, sondern auch für die, welche aus dem Glauben Abrahams leben. Er ist unser aller Vater, wie geschrieben steht: Ich habe dich zum Vater vieler Völker bestimmt – im Angesicht des Gottes, dem er geglaubt hat, des Gottes, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft. Römer 4,13-17

Aufbruch ist, wenn man losgeht

Gott, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft, ist das Ziel des menschlichen Weges. Dazu muss das, was als Gesetz gilt, bisweilen in Frage gestellt werden. Daraus ergibt sich Dreierlei:

1. Es hilft nichts, den Status quo zu beschwören und von Aufbruch zu reden. Aufbruch ist, wenn man losgeht. Noch so viele Standortbestimmungen verzögern den Aufbruch bloß. Der Ruf Gottes ist doch längst ergangen!

2. Es scheint wieder an der Zeit zu sein, das, was (noch) nicht ist, ins Dasein zu rufen. Es bedarf keiner Revolutionen. Wer aber vor dem Offenkundigen die Augen schließt, taugt nicht als Pfadfinder. Wer von dem besonderen Auftrag aller Getauften redet, muss diesem Auftrag auch Raum geben. Lippenbekenntnisse sind sehr anfällig für Herpes.

3. Am Wort Gottes führt kein Weg vorbei:

Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade. Psalm 119,105

Dazu bedarf es aber nicht nur der oberflächlichen Kenntnis des Wortes Gottes. Das Vorurteil über den einen vermeintlich festen Glauben Abrahams, der erst zum Ende hin das nötige Gottvertrauen findet, ist dafür ein beredter Beweis.

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Bildnachweis

Titelbild: Volltreffer 128/366 (Dennis Skley) – Quelle: flickr.com – lizenziert als CC BY-ND 2.0.

Bild 1: Pyroclastic flows at Mayon Volcano, Philippines (C.G. Newhall) – Quelle: Wikicommons – lizenziert als gemeinfrei.

Bild 2: Sodom and Gomorrah (John Martin, 18,52) – Quelle: Wikicommons – lizenziert als gemeinfrei.

Einzelnachweis   [ + ]

1. So etwa auch Rainer Maria Kardinal Woelki im Fastenhirtenbrief 2016, Köln 2016, S. 3: „Wir können uns nur im Vertrauen auf Gott aufmachen – wie Abraham. Wie Abraham auch müssen wir als Ortskirche Abschied nehmen und Vertrautes zurücklassen.“
2. Das Erzbistum München und Freising will freilich „neue“ Möglichkeiten erbroben und Gemeindeleitung durch Laien ermöglichen. Das ist auch im Erzbistum München und Freising kein ganz neuer Weg, denn die Gemeindeleitung von Laien war dort zu Beginn des Episkopats von Erzbischof Reinhard Marx schon gelebte Praxis, wurde von diesme aber anfänglich zurückgefahren. Nun sei man in Experimenten und Pilotprojekten mit „Blick auf die vorhandenen Ressourcen und Charismen“ – ungeklärt bleibt in dieser Aussage, was darunter genau zu verstehen ist, wie weitreichend die Frage der Leitung de facto ausgefaltet wird und welche – auch kirchenrechtlichen – Folgen das zeitigt – offen für „neue Wege“ – mehr unter http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/erzbistum-will-gemeindeleitung-durch-laien-erproben [Stand: 20. März 2017].
3. Zitiert nach Rainer Maria Kardinal Woelki, Lebendige Steine. Fastenhirtenbrief 2017, Köln 2017, S. 4f.
4. Der griechische Text enthält hier das Wort υἱοί (gesprochen: hyioí – Söhne). Man wird sicher die Intention des Paulus treffen, wenn man hier „Söhne und Töchter“ liest.
5. Mit Dank an Dr. Till Magnus Steiner für den Hinweis auf diesen Zusammenhang.
6. Vgl. hierzu https://ne.brockhaus.de/naturkatastrophen [Stand: 19. März 2017] sowie https://de.wikipedia.org/wiki/Minoische_Eruption [Stand: 19. März 2017].
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