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Stimmungsumschwung Mit Psalm 13 aus der Pandemie


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Es ist die Zeit der Lockerungsorgien und der warnenden Stimmen. Viele wollen möglichst schnell zum normalen Alltag zurück. Oder gehört das Coronavirus nun – zumindest bis es einen Impfstoff gibt – zu unserem Alltag? Nun ist die Zeit der Abwägung zwischen wirtschaftlichem Gewinn und dem Schutz Gefährdeter. Der Weg von der Panik zur Vergessenheit ist ein schmaler Grad. Plötzlich wird aus der Weltuntergangsstimmung die Planung des Sommerurlaubs.
Ein solcher Stimmungsumschwung ist denjenigen, die Psalmen beten, wohlvertraut. Aus der schmerzenden Klage kann scheinbar von einem Moment auf den anderen ein Loblied werden. Fast verbittert und zu Tode betrübt beginnt der Beter in Psalm 13 mit den Worten:

Wie lange noch, HERR, vergisst du mich ganz? Psalm 13,2

Hämmernd fragt der Beter am Anfang dieses Psalms insgesamt viermal danach, wie lange seine Not noch andauern wird. Wörtlich übersetzt fragt er viermal: „Bis wann …?“ Aus der Klage heraus entwächst ihm die Bitte:

Blick doch her, gib mir Antwort, HERR, … Psalm 13,4

Gott möge ihn in seiner Not erhören. Doch im Psalm folgt kein Gotteswort, kein göttlicher Zuspruch. Die Bitte bleibt unbeantwortet und die Klage bleibt relevant. Kann man gleichzeitig klagend bitten und jubelnd danken?

Ich aber habe auf deine Güte vertraut, mein Herz soll über deine Hilfe jubeln. Singen will ich dem HERRN, weil er mir Gutes getan hat. Psalm 13,6

Plötzlich stellt der Beter seiner Klage und Bitte ein trotziges „aber“ entgegen. Er will sich aufschwingen zum Lobpreis. Er ermutigt sich selbst dazu, denn er vertraut darauf, dass sein Gott gleichbedeutend mit Güte und Hilfe ist. Dieser Stimmungsumschwung wurde in der Forschung oft mit einem individuellen priesterlichen Heilsorakel erklärt, das zwischen der klagenden Bitte des Beters und dem darauffolgenden Dank ergangen sei. Ein externer Grund wurde angeführt, um diesen Stimmungswechsel zu erklären. Doch der Text lehrt eine andere Lektion.

In seiner Not vertraut der Beter auf Gott – und das zeigt sich bereits am Anfang, da er zu seinem Gott spricht. Es ist der Gott, den er im Laufe des Psalms als „JHWH, mein Gott“ (Vers 4) anredet und bekennt. „Vertrauen“ ist im Hebräisch des Alten Testaments kein Prozess, sondern ein Zustand. Man vertraut nicht „auf“ jemanden oder etwas, sondern „aufgrund“. Am Ende des Psalms erinnert sich der Beter auf die in der Vergangenheit erfahrene Güte Gottes. Dieser Blick lehrt ihn Erhörungsgewissheit. Der Psalm ist ein Gebetsprozess – sozusagen in zeitlich geraffter Form. Der Beter durchläuft drei Stadien: Not – Bitte – Gewissheit. Doch die gewonnene Erhörungsgewissheit hebt weder die Worte der Klage noch der Bitte auf. Der Beter steht sozusagen am Ende des Psalms in einem Zwischenzustand und wartet frohen Mutes, aber noch inmitten des Leids auf die kommende Antwort Gottes. Psalm 13 mag kurz sein, aber die dahinterstehende Realität kann doch ein langer Prozess sein. Und die sehnsüchtige Frage „Wie lange noch?“ führt nicht direkt zum Heil.

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