Ecclesiastica

Radikalität von den Juden und Esra lernen!


den Artikel
vorlesen lassen

Völker der Kirche vereinigt Euch! Es ist keine Zeit für eine Revolution, sondern für Radikalität. Radikal ist, wer an die Wurzel geht. Worauf wurzeln der Glaube und die Kirche? Die Antwort darauf findet sich in dem, was wir als „Wort Gottes“ verkünden. Das Buch Nehemia lehrt, dass der Weg des Neuanfangs nicht am Opferaltar beginnt, ja nicht einmal am Altar des Wortes – dem Ambo –, sondern bei den Gläubigen.

Das ganze Volk versammelte sich geschlossen auf dem Platz vor dem Wassertor und bat den Schriftgelehrten Esra, das Buch mit der Weisung des Mose zu holen, die der HERR den Israeliten geboten hat. Nehemia 8,1

Nach der Zerstörung Jerusalems, nach dem Exil in Babylonien, nach der Wiedererrichtung des Tempels versammelt sich das Volk nicht an heiliger Stätte, sondern im öffentlichen Raum. Es ergreift die Initiative und lässt sich nichts sagen, sondern will hören.

Am ersten Tag des siebten Monats brachte der Priester Esra die Weisung vor die Versammlung, Männer und Frauen und überhaupt alle, die schon mit Verstand zuhören konnten. Nehemia 8,2

Dabei gibt es keine elitären Unterscheidungen, keine Sondergruppen, keine Unterschiede. Alle, „die schon mit Verstand zuhören konnten“, egal ob Mann oder Frau, versammeln sich um das als Wort Gottes an das Volk geglaubte Buch.

Vom frühen Morgen bis zum Mittag las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten, daraus vor. Das ganze Volk lauschte auf das Buch der Weisung. Nehemia 8,3

Im Mittelpunkt stehen keine schnell vorgetragenen Thesen, keine eingedampften Parolen, sondern die Ausdauer verlangende Weisung Gottes. Und drumherum: Aufmerksamkeit, Konzentration, Fokussierung.

Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz, die man eigens dafür errichtet hatte. Neben ihm standen rechts Mattitja, Schema, Anaja, Urija, Hilkija und Maaseja und links Pedaja, Mischaël, Malkija, Haschum, Haschbaddana, Secharja und Meschullam. Nehemia 8,4

Die Verkündigung geschieht von oben herab, damit sie hörbar ist, nicht damit sie autoritär wirkt. Die Autorität liegt im Wort Gottes – nicht in der verkündenden Person. Und es ist auch nicht eine Person allein, die das Wort verkündet, sondern Esra ist symbolisch umgeben von Laien, die für das gesamte Volk dort oben, neben ihm stehen. In der Verkündigung trennt kein Amt und kein sozialer Status.

Esra öffnete das Buch vor aller Augen; denn er stand höher als das versammelte Volk. Als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle. Dann pries Esra den HERRN, den großen Gott; darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen! Sie verneigten sich, warfen sich vor dem HERRN nieder, mit dem Gesicht zur Erde. Nehemia 8,5-6

In der Verkündigung des Wortes begegnet das Volk seinem Gott. Aus dieser Begegnung entsteht Gottesdienst. Es sind eben nicht nur Worte für die Gläubigen.

Jeschua, Bani, Scherebja, Jamin, Akkub, Schabbetai, Hodija, Maaseja, Kelita, Asarja, Josabad, Hanan und Pelaja, die Leviten, erklärten dem Volk die Weisung; die Leute blieben auf ihrem Platz. Nehemia 8,7

Das Ja und Amen erklingen gar vor dem Verstehen des Gehörten. Das Wort Gottes ist nicht selbsterklärend, auch wenn es direkt an den Menschen gerichtet ist. Dienst am Menschen bedeutet nun, dorthin zu gehen, wo die Leute sind und ihnen die Weisung zu erklären.

Man las aus dem Buch, der Weisung Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, sodass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten. Nehemia 8,8

Es reicht nicht, die frohe Botschaft herauszubrüllen. Nein, sie muss erklärt werden. Sie muss in kleinen Schritten den Menschen eröffnet werden, damit sie selbst darin Bedeutung finden und die Worte verstehen können. Das Wort Gottes zu verstehen, bedeutet betroffen zu sein. Das Volk reagiert mit großer Trauer, denn es versteht, dass es nicht entsprechend dem Willen Gottes lebt – vielleicht spüren sie auch die große Last der Weisung Gottes. Aber darauf hat der Schriftgelehrte Esra eine einfache und alle Zeit gültige Antwort:

Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. Nehemia 8.10

Empfehlen Sie diesen Artikel weiter
  • Share this on WhatsApp
Wenn Sie über die Veröffentlichung neuer Texte informiert werden möchten, schicken Sie bitte eine E-Mail, mit dem Betreff „Benachrichtigung“, an mail@dei-verbum.de

Bildnachweis

Titelbild: Bible, altar, Studland church, Dorset, , fotografiert von
MattLake. Lizenz: CC BY 2.0.

Weitere Beiträge:

Sei der Erste, der einen Kommentar schreibt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.