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Res publica

Die Bloßstellung Eine neutestamentliche Anleitung, den Anfängen der Vernebelung zu wehren


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Regenmacher hatten in der Geschichte der Menschheit immer wieder Konjunktur. Es ist schon auffällig, dass von keinem Schamanen berichtet wird, der sich einen Namen als Schönwetterredner gemacht hätte. Und auch der Sonnengruß ist letztlich zu einer sportiven Banalität verkommen, die nur noch vage an ihren mentalen Gehalt erinnert. Regentänzer hingegen hatten immer schon Konjunktur. Für das Überleben der Menschheit schien kaum etwas wichtiger zu sein als schlechtes Wetter.

Regentänzer

Offenkundig hat sich die Überlebensnotwendigkeit des schlechten Wetters der Menschheit tief in den genetischen Code eingegraben. Und das beeinflusst sein Bewusstsein. Schlechte Nachrichten prägen sich besser ein als frohe Botschaften. Wie anders kann man den Erfolg einer Partei erklären, deren Botschaft vor allem aus Ängsten und Ablehnungen besteht ohne wirklich eine Alternative zu benennen. Die selbsternannte „Alternative für Deutschland“ – AfD – ist gegen den Euro, gegen Europa, gegen die Flüchtlinge und neuerdings auch gegen Minarette und Moscheen, weil dort nicht deutsch gesprochen wird. Als Katholik ist man da irgendwie froh, dass seit der Liturgiereform von 1970 die Muttersprache Einzug in den Gottesdienst gehalten hat.

Man ist stolz darauf, gegen etwas zu sein. Der Parteigründer Bernd Lucke stellte 2014 vehement fest, dass es zu kurz gegriffen wäre,

„wenn man die AfD als reine Protestpartei beschreibt, die alle Unzufriedenen einsammelt. In den neuen Ländern war die Linke bisher der wichtigste Adressat für solche Wähler. Regiert die Linke aber mit, so wie in Brandenburg, produziert das ebenfalls Unzufriedenheit, die sich dann neue Kanäle sucht. Davon hat in der Vergangenheit auch die NPD profitiert. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die die AfD aus Überzeugung wählen.“1)

Mittlerweile hat sich die Partei ihres eurokritischen Gründers entledigt und ist auf die Suche nach neuen Unzufriedenheiten gegangen. Der Regentanz wird zum Parteiprinzip. Nachdem das Flüchtlingsthema aufgrund der geschlossenen Grenzen auf der Balkanroute kaum mehr für Aufregungspotential sorgt, mahnte die stellvertretende Vorsitzende der AfD, Beatrix von Storch, eine thematische Neujustierung an. Alternativlos undifferenziert stellt sie fest:

„Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist.“2)

Alexander Gauland, ebenfalls stellvertretender Parteichef der AfD, geht sogar noch weiter:

„Der Islam ist keine Religion wie das katholische oder protestantische Christentum, sondern intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden. Deswegen ist die Islamisierung Deutschlands eine Gefahr.“3)

Nebelwerfer

Dass ein argumentativer Diskurs keine echte Alternative für die AfD ist, hat sich nun wieder auf dem Parteitag der AfD, der vom 30. April 2016 bis zum 1. Mai 2016 in Stuttgart tagte, gezeigt. Es sollte endlich ein Parteiprogramm beschlossen werden. Es verwundert schon einigermaßen, dass eine Partei, der bisher eine programmatisch-inhaltliche Konsistenz fehlte, bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg vom 14. März 2016 derartige Gewinne einfahren kann – es sei denn, der Protest an sich ist das eigentliche Genom der AfD.

Tatsächlich produziert der programmatische Stuttgarter Parteitag der AfD auch eher furchteinflößende Nebel, als dass er zur Erleuchtung der Verängstigten beiträgt. So stellt Matthias Kamann von der Zeitung „Die Welt“ fest:

„Der Programm-Parteitag bringt längst noch keine Sicherheit über die Ausrichtung der Partei. Die umstrittene Vorsitzende verhält sich geschickt: Sie legt sich nur dort fest, wo es keinem wehtut.“4)

Fehlende Sicherheit aber ist keine echte Alternative. Die Alternative für Deutschland braucht vor allem eins für ihr Überleben: Schlechtes Wetter, schlechte Nachrichten, schlechte Stimmung. Und so produziert sie weiter Nebel, in denen sie das Horn blasen kann, wie auch Alan Posener feststellt:

„Die Demagogie wirkt. Es hilft nichts, ihr entgegenzukommen. Im Gegenteil. Als selbst die Gegner der Nazis zu konzedieren begannen, es gebe ein ‚Judenproblem’, war die Republik verloren.“5)

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Kriegsbrückenbau während der grossen Pioniermanöver unter künstlichem Nebel an der Elbe bei Hohenwarthe!
Zum ersten Male wurde der Bau einer Kriegsbrücke unter Anwendung von künstlichem Nebel geübt.
Pioniere beim Bau der Kriegsbrücke in Hohenwarthe an der Elbe. Der künstliche Nebel deckt die Arbeit der Pioniere gegen feindliche Sicht ab.

Spielt endlich mit den Schmuddelkindern!

Die feuchten Dunst produzierenden Protagonisten der AfD sind so etwas wie die Schmuddelkinder der politischen Landschaft geworden. Ihr zählbarer Erfolg bei Wahlen und Umfragen lässt keinen Weg mehr an Einladungen zu Talkshows vorbeiführen, deren Nimbus selbst immer weniger in der Erhellung von Zusammenhängen besteht denn in der kumulierenden Produktion semantischer Wölkchen. Dabei wäre es wichtig, dass die Partei der Nein-Sager endlich zu einem wahren politischen Diskurs einbestellt wird, wie auch Andrea Seibel von der Zeitung „Die Welt“ fordert:

„Wann endlich nehmen die anderen Parteien den Fehdehandschuh auf? Warum sehen sie die AfD nicht als Katalysator, sondern nur als Strafe? Wann beweisen sie sich endlich neu? Denn vor dem sprichwörtlichen Kompromiss, den Politik ausmacht, muss immer erst der Streit kommen. Das hat man leider, leider im Konsensland Deutschland vergessen.“6)

Humor ist eine Waffe des Lichtes

Den Schmuddelkindern haftet ein eigener Hauch des Charmes an. Ein wohliger Schauer umhüllt sie. Man hält sich von ihnen fern, zeigt aber gern mit eitler Selbstgefälligkeit auf sie. So muss es auch damals in Jericho gewesen sein. Das Lukasevangelium weiß von dem Zöllner Zachäus zu berichten, er sei ein ἀρχιτελώνης (gesprochen: architelónes) gewesen, ein Erzzöllner – also der oberste Zöllner der Stadt. Der gräzisierte Name Ζακχαῖος (gesprochen: Zakchaîos) lässt noch seine hebräische Herkunft erahnen. Ζακχαῖος leitet sich vom hebräischen זכאי (gesprochen: Zakkai) her, das wörtlich übersetzt „der Gerechte“ heißt. Bereits hier kann man erkennen, dass Lukas seine Erzählung mit einer Prise Humor würzt. Niemand brachte damals einen Zöllner mit Gerechtigkeit in Verbindung.

Ob sich die im Folgenden geschilderte Begegnung zwischen Jesus und dem Oberzöllner Zachäus historisch wirklich zugetragen hat, ist aus heutiger Sicht nicht sicher zu bestätigen. Der synoptische Vergleich zeigt, dass die Erzählung nur bei Lukas zu finden ist. Sie gehört zu den Narrativen der Jesustradition, die sich zugetragen haben könnten. Sie passt in das jesuanische Handeln. Vor allem aber ist sie eine Lehrerzählung für die Jesusnachfolger, wie ihre wahre Zielgruppe definiert ist. Die Jesusjünger aller Zeiten sollen sich nicht bloß an die wenden, die der eigenen Reputation dienen. Sie sollen vor allem an die Ränder der Gesellschaft gehen, dorthin, wo es schmuddelig ist. Und dazu gehörten damals vor allem auch die Zöllner – vor allem dann, wenn es sich um Juden handelte, die mit der römischen Besatzungsmacht kollaborierten.

Anschauung

Der gräzisierte Name Zachäus weist auf die jüdische Herkunft des Oberzöllners hin. Er trägt den Namen „der Gerechte“, erweist sich in seinem Handeln aber gerade als ungerecht. Als Kollaborateur kann er nicht darauf hoffen, im Volk Sympathien zu genießen. Den Verlust an Ansehen dürfte er – wie so viele Zöllner seiner Zeit – damit kompensiert haben, dass er von denen, von denen er Zoll und Steuer für den römischen Staat verlangte, noch mehr für den eigenen Vorteil erpresste. Auch Korruption dürfte ein Thema gewesen sein. Dass es auch bei Zachäus nicht anders war, verbirgt sich hinter der lapidaren Bemerkung des Lukas über den Reichtum (πλούσιος – gesprochen: ploúsios) des Oberzöllners:

Dann kam er [Jesus] nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Lukas 19,1-2

Der Zachäus-Erzählung stellt Lukas die Heilung eines Blinden in Jericho voran (Lukas 18,35-43)7). Der Impetus dieser Erzählung liegt vor allem darin, dass Jesus dem Blinden Ansehen verleiht: Er holt ihn aus einer Situation – vor den Toren der Stadt, am Rand der Straße, auf dem Boden – und verleiht ihm neue Würde. Er begegnet ihm auf Augenhöhe, wenn er den Blinden nicht ungefragt heilt, sondern fragt:

Was soll ich dir tun? Lukas 18,42

Erst auf den Wunsch des Blinden hin, wieder sehen zu wollen, erlangt dieser sein Augenlicht zurück. Der Schluss der Heilungsperikope berichtet daher konsequent:

Da pries er [der Blinde] Gott und folgte Jesus. Und alle Leute, die das gesehen hatten, lobten Gott. Lukas 18,43

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Ein Maulbeer-Feigenbaum bietet selbst in belaubtem Zustand keinen Sichtschutz.

Gaffer

Es kann also nicht verwundern, dass auch Zachäus von diesen Ereignissen gehört hat. Die Nachricht dürfte sich wie ein Lauffeuer verbreitet haben. Sensationen ziehen Gaffer an. Auch Zachäus möchte gaffen und den Wundertäter sehen. Aber ein körperlicher Makel hindert ihn daran:

Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Lukas 19,3

Diese Bemerkung konterkariert erneut das Bild des mächtigen Zöllners. Er ist ein kleiner Kollaborateur. Das kompensatorische Potential muss groß gewesen sein, bei diesem Außenseiter von kleinem Wuchs. Man kann sich gut vorstellen, wie er sich die Frustration mit klingender Münze heimzahlt.

Die Menschenmenge versperrt ihm die Sicht. Das ist nicht neu für den kleinwüchsigen Mann. Er hatte wohl gelernt, seinen körperlichen Makel durch intellektuelles Potential ausgleichen. Wie sonst könnte er anders die offenkundige Übervorteilung derer, von denen er Zoll und Steuer eintreibt, so verbergen, dass es ihm persönlich nicht vorgeworfen werden kann. Jeder weiß es, aber man hat keine Handhabe.

Die lebenslang erworbene intellektuelle Kreativität des körperlich Unterlegenen zeigt ihm schnell einen Ausweg:

Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Lukas 19,4

Der Maulbeerfeigenbaum ist ein Baum mit 6 bis 15 Metern Wuchshöhe. Ein guter Platz, um sich einen Überblick zu verschaffen. Zachäus muss sportlich gewesen sein, wenn er einen solchen Baum zügig erklimmen konnte.

Bloßstellung

Der Maulbeerfeigenbaum ist ein sommergrünes Gewächs. Lukas verortet die Zachäuserzählung chronologisch unmittelbar vor den Einzug in Jerusalem (vgl. Lukas 19,28-40). Dazwischen liegt nur noch die die Erzählung des Gleichnisses vom anvertrauten Geld (Lukas 19,11-27), die als direkt an die Zachäuserzählung anschließend eingeführt wird (vgl. das Präsenspartizip ἀκουόντων (δέ) – gesprochen: akouónton (dé)/als sie zuhörten [was Jesus über Zachäus sagt]). Unmittelbar nach der Gleichnisrede zieht Jesus nach Jerusalem hinauf (vgl. Lukas 19,28). Da der Einzug in Jerusalem aber in engem Zusammenhang mit dem Paschafest zu denken ist, muss es Frühling gewesen sein. Der Maulbeerfeigenbaum trägt also noch keine Blätter. Zachäus hat nicht nur einen guten Überblick, er ist auch selbst weithin sichtbar. Und das wird ihm zum Verhängnis:

Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Lukas 19,5

Der Bekanntheitsgrad der Zachäuserzählung verhindert leider allzu oft einen vertieften Blick. Man muss sich die Szenerie gut vorstellen: Ein kleinwüchsiger, von der Stadtgesellschaft verachteter Jude, der als Oberzöllner mit der römischen Besetzungsmacht kollaboriert, steht auf einem Baum, um zu gaffen. Das allein gibt ihn schon der Lächerlichkeit preis. Aber die Szene geht noch tiefer. Alle können Zachäus sehen. Es gibt nichts, wo er sich verbergen könnte. Weil er reich war, dürfte er ein knöchellanges Obergewand getragen haben. Auf dem Baum gut sichtbar für alle stehend, gewährt er dadurch aber auch – von unten betrachtet – peinliche Einblicke. Und Jesus schaut hinauf und wendet ihm die volle Aufmerksamkeit zu. Die Blicke aller dürften ihm gefolgt sein. Zachäus ist ertappt und bloßgestellt. Der Ruf Jesu:

Zachäus, komm schnell herunter! Lukas 19,5

bekommt dadurch eine ganz eigene Konnotation. Die Aufforderung, sich zu sputen und eilends herabzusteigen (σπεύσας κατάβηθι – gesprochen: speúsas katabethi), hat angesichts der so intendierten Szenerie einen geradezu barmherzigen Beiklang. Er erinnert an die Begegnung mit dem Blinden. Ihn musste Jesus vom Boden auf Augenhöhe bringen, um ihm Ansehen zu geben. Hier fordert Jesus einen auf, der sich selbst überhebt, auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren – ebenfalls um ihm Ansehen zu geben. Die Bloßstellung ist hier ein heilendes Prinzip.

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Ein Kapitel der Kirche Saint Nectaire in Puy-de-Dôme in Frankreich zeigt die Begegnung Jesu mit dem Oberzöllner Zachäus. Der Steinmetz hat die Peinlichkeit der Situation erkannt und in subtiler, ja fast obszöner Weise in Szene gesetzt.

Hosen runter!

Der Text lässt erahnen, dass Zachäus sich der Peinlichkeit der Situation noch gar nicht bewusst ist. Er ist überwältig von der Selbsteinladung Jesu. Der berühmte Mann möchte bei ihm einkehren. Das ist Balsam auf die lebenslang geschundene Seele des kleinen Mannes, der trotz der scheinbaren Karriere immer ein Außenseiter geblieben ist. Ansehen kann man nicht mit Geld erlangen. Die Freude ist deshalb groß:

Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Lukas 19,6

Genauso groß ist aber auch der Neid der anderen. Warum ausgerechnet Zachäus?

Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Lukas 19,7

Sie gönnen Zachäus die Bewirtung des außergewöhnlichen Mannes nichts. Dabei bleibt verborgen, was im Haus des Zachäus gesprochen wird. Lediglich das Ergebnis des Gespräches wird festgestellt:

Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Lukas 19,8-10

Der Text beinhaltet hier eine bemerkenswerte Leerstelle; er verwendet das Stilmittel der Lakonie. Die Leserinnen und Hörer müssen diese Leerstelle nicht nur füllen; sie befinden sich nolens volens in der Rolle der Zuschauer, die außen vor bleiben. Die Reaktion des Zachäus, der doch immer, sein Schicksal kompensierend, auf seinen finanziellen Vorteil bedacht war, jetzt aber die Hälfte seines Vermögens an die Armen geben und das Vierfache denen zurückgeben möchte, von denen er zu viel gefordert hat, lässt erahnen, dass es bei diesem Gespräch zur Sache gegangen sein muss. Sollte Zachäus seine Zusage auch in die Tat umsetzen, dürfte das für ihn den finanziellen Ruin bedeuten. Er muss die Hosen runterlassen, sich offenbaren, alles offenlegen – alles!

Sieh an!

Das ist das, was im Hause des Zachäus geschehen ist: Alles kam auf den Tisch. Es war die große Offenlegung. Das Problem des Zachäus wird offen angesprochen worden sein. Nur wenn alles offen auf dem Tisch liegt, kann es angesehen werden. Nur Probleme, die offen liegen, können gelöst werden. Nur wenn Zachäus, der – die Gerechtigkeit im Namen tragend – seinem Namen bisher keine Ehre machte, sich sich selbst stellt, kann er erkennen, dass man sich Ansehen nicht mit Geld erkaufen kann. Indem Jesus Zachäus auf den Boden der Tatsachen stellt, kann er ihm ihn ansehend helfen, sich selbst wieder Ansehen zu geben. Die Bloßstellung erweist sich also letztlich als barmherzig. Und aus dieser Barmherzigkeit wird wieder Gerechtigkeit möglich.

Nebellichtung

Die Macht der Sonne lichtet den Nebel. Wer den feuchten Dunst der Angstmacher vertreiben möchte, muss das Licht auf den Nebel fokussieren. Er darf sich nicht einnebeln lassen, von den Anwürfen derer, die sich im Nebel verbergen. Wer im Nebel wohnt, meidet das Licht. Was aber ist daran schlecht, das Licht zu suchen? Darauf weist auch Alan Posener mit Blick auf die AfD hin:

„Deshalb ist es so fatal, die politische Korrektheit für den Aufstieg des Populismus verantwortlich zu machen. Im Gegenteil. Sie war ein Mittel, die Demagogie zu zügeln und damit die politische Diskussion zu retten. War, muss man sagen, denn die Demagogen haben sie diskreditiert.“8)

Und weiter:

„Verdächtigung und Beleidigung, Verschwörungstheorien und Hassparolen – die Sprache des Mobs – werden nun als Freiheit reklamiert.“9)

Das sind die Nebelbomben derer, die keine wirklichen Argumente haben. Die Demokratie kann keine Nebelwerfer dulden, denn der Nebel begrenz die Freiheit:

„Wirkliche Freiheit – die Freiheit politischen Handelns – verteidigen, heißt aber im Gegenteil den publizistischen und politischen Raum zu verteidigen, in dem verantwortlich über Alternativen nachgedacht wird. Genau das bedeutet: den Anfängen wehren.“10)

Die Herstellung des öffentlichen Diskurses durch Publizistik und Politik ist das Gebot der Zeit. Spielt endlich mit den Schmuddelkindern! Stellt die Nebelwerfer bloß! Enttarnt sie im Licht der Scheinwerfer! Lasst euch nicht auf das Nebelspiel ein, sondern bleibt klar und klärt auf! Aufklärung, das ist die Alternative, die die Macht der Regentänzer brach und bricht.

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Bildnachweis

Titelbild: Graffiti “Dust” (Werner Kleine, 2016) – lizenziert als CC BY-SA 3.0

Bild 1: Bundesarchiv, Bild 102-08258/Einsatz künstlichen Nebels – Quelle: Wikicommons lizenziert als CC-BY-SA 3.0

Bild 2: Quelle: Ficus sycomorus (Ian Scott) – Quelle: Wikicommons – lizenziert als CC BY-SA 2.0

Bild 3: Chapiteau de St-Nectaire – Le Christ et Zachée (Tangopaso) – Quelle: Wikicommons – lizenziert als gemeinfrei

Einzelnachweis   [ + ]

1. Willi Reiners, „Die AfD ist mehr als eine Protestpartei“, in: Stuttgarter Nachrichten, 19.9.2014 – Quelle: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.alternative-fuer-deutschland-die-afd-ist-mehr-als-eine-protestpartei.9ba9a153-e574-4c23-a2d3-20b7db789b33.html [Stand: 1. Mai 2016].
2. FAZ, Von Storch: „Islam nicht mit Grundgesetz vereinbar“, 17.4.2016 – Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/von-storch-islam-nicht-mit-grundgesetz-vereinbar-14182472.html [Stand: 1. Mai 2016].
3. FAZ, Von Storch: „Islam nicht mit Grundgesetz vereinbar“, 17.4.2016 – Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/von-storch-islam-nicht-mit-grundgesetz-vereinbar-14182472.html [Stand: 1. Mai 2016].
4. Matthias Kammann, Ein chaotischer Parteitag im autoritären Schweinsgalopp, in: Die Welt, 1.5.2016 – Quelle: http://m.welt.de/politik/deutschland/article154928017/Ein-chaotischer-Parteitag-im-autoritaeren-Schweinsgalopp.html [Stand: 1.5.2016].
5. Alan Posener, Minarett- und Muezzinverbote retten keine Renten, in: Die Welt, 1.5.2016 – Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article154902408/Minarett-und-Muezzinverbote-retten-keine-Renten.html [Stand: 1.5.2016].
6. Andrea Seibel, Die Parteien müssen endlich den Fehdehandschuh aufnehmen!, in: Die Welt, 1.5.2016 – Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article154930173/Die-Parteien-muessen-endlich-den-Fehdehandschuh-aufnehmen.html [Stand: 1.5.2016].
7. Bei dieser Erzählung handelt es sich um die Parallelerzählung der Heilung des Blinden Bettlers Bartimäus aus Markus 10,46-52. Diese Erzählung beruht höchstwahrscheinlich auf einem historischen Kern, wird sie doch in den drei synoptischen Evangelien in verschiedenen Variationen insgesamt fünfmal erzählt.
8. Alan Posener, Minarett- und Muezzinverbote retten keine Renten, in: Die Welt, 1.5.2016 – Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article154902408/Minarett-und-Muezzinverbote-retten-keine-Renten.html [Stand: 1.5.2016].
9. Alan Posener, Minarett- und Muezzinverbote retten keine Renten, in: Die Welt, 1.5.2016 – Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article154902408/Minarett-und-Muezzinverbote-retten-keine-Renten.html [Stand: 1.5.2016].
10. Alan Posener, Minarett- und Muezzinverbote retten keine Renten, in: Die Welt, 1.5.2016 – Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article154902408/Minarett-und-Muezzinverbote-retten-keine-Renten.html [Stand: 1.5.2016].
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