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Ein Lob auf den Kirchturm Ein Plädoyer für die bleibende Präsenz der Kirche in der Fläche


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Tot oder lebendig – der Aufbau des Hauses, das “Kirche” genannt wird, ist zum Streitfall geworden1). Anlass ist da bei weitem nicht nur der Abriss der Kirche in Immerath, die dem Braunkohletagebau zum Opfer gefallen ist2). Diese Kirche stand schon lange nicht mehr im Dorf, das längst ein paar Kilometer weiter neu aufgebaut worden ist. Und doch löste der Abriss eines Kirchenraumes, der zwar schön war, aber eben nicht mehr gebraucht wurde, Proteste aus, wie man sie bei den vielen drohenden Kirchenabrissen vermisst, die nicht selten aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus erwogen werden. Im Bistum Essen etwa stehen Dutzende Kirchen nicht nur vor der Profanierung, sondern sogar vor der architektonischen Destruktion3). Dabei sind es zum einen wirtschaftliche Gründe, vor allem aber auch die sinkenden Zahlen von Priestern, die zuerst zu Zusammenlegungen von Gemeinden, gefolgt von Kirchenschließungen und schließlich Abrissen, bei denen man beteuert, es handele sich hier immer um eine ultima ratio4), führen. Manch einer, wie der selbsternannte Kirchensprachenexeperte und Politikberater Erik Flügge frohlockt über diesen Schritt, weil er in ungenutzten Kirchenräumen ein Zeichen der pastoralen Depression sieht5); andere, wie der in Köln wirkende Pastoralreferent Norbert Bauer, warnen vor der Abrissbirne, weil sie erkennen, dass der ökonomische Kosten-Nutzen-Faktor alleine kein Parameter einer Pastoral sein kann, die eine menschennahe Infrastruktur benötigt6). Über allem aber schwebt die einem Totschläger gleich geschwungene Mahnung, nicht einem “überkommenen Kirchturmdenken” zu verfallen7). Nicht selten wird schließlich an die Worte aus dem 1. Petrusbrief erinnert, mit denen suggeriert wird, dass der Kirchenraum an sich ja eigentlich hinfällig ist:

Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen. 1 Petrus 2,5a

Wer A sagt, muss auch B sagen

Nun ist die Bibel, gerade weil sie das Wort Gottes ist, kein Steinbruch, aus dem man sich beliebig nach eigenem Gusto bedienen kann. Nicht der Buchstabe an sich ist göttlich – dann dürfte man die heiligen Texte ja nur im Original, also auf Altgriechisch oder Hebräisch zitieren. Vielmehr geht es ja nicht um die einzelnen Worte, sondern um das Wort, dem die Glaubenden in allen Generationen immer wieder neu Gestalt geben müssen. Die Gemeinschaft der Glaubenden aber ist die Kirche. Im Fall des Zitates aus dem 1. Petrusbrief heißt das, dass das Zitat zuerst in seinem Zusammenhang gesehen werden muss:

Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen! Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Einst wart ihr kein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden. 1 Petrus 2,4-10

Der gesamte Kontext zeigt, dass es hier nur bedingt um einen Appell geht, der lebendige gegen tote Steine ausspielt. Im Gegenteil: Diese Kontrastierung spielt gar keine Rolle. Die Baumetaphorik zielt in eine ganz andere Richtung. Zentral ist der lebendige Stein schlechthin: Christus, der von Gott auserwählt, aber von den Menschen verworfen wurde. Er ist der Eckstein, ohne den der Bau nicht halten kann, Fundament und Stabilitätsgeber schlechthin. Wer auf ihn baut, hat Anteil an seinem Leben. Darin besteht die Aufgabe der Gemeinschaft der Glaubenden, das mit Christus begonnene Werk weiterzubauen. Dass sich davon niemand dispensieren kann, kommt darin zum Ausdruck, dass der Autor des 1. Petrusbriefes daran erinnert, dass alle (!) Glaubenden ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein Volk sind, das Gott gehört. Gerade weil nun alle zusammen eine auserwählte Priesterschaft sind, bedarf es keiner gesonderten Vermittlung mehr, um des göttlichen Erbarmens teilhaftig zu werden.

Wer also A zu den lebendigen Steinen sagt, muss auch B zum allgemeinen Priestertum sagen, in das die Glaubenden durch Taufe und Firmung aufgenommen wurden. Allein von hier aus deutet sich schon die Frage an, ob die Entwicklung pastoraler Strategien und Zukünfte allein von der Zahl der geweihten Priester abhängig sein kann, die taktgebend für zahlreiche Pfarrzusammenlegungen und den daraus folgenden Konsequenzen ist. Wer die einzelnen Glaubenden wie deren Gemeinschaft daran erinnert, dass sie die lebendigen Steine des Hauses Gottes seien, der muss sich auch daran erinnern lassen, dass Gott der Besitzer dieses Hauses ist.

Der Bauherr

Paulus muss die korinthische Gemeinde angesichts aufgetretener Parteiungen und Spaltungen daran erinnern, dass auch diejenigen, die mit einem besonderen Auftrag unterwegs sind, immer nur eine bestimmt Funktion im Gefüge des gesamten göttlichen Hauses sind:

Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Diener, durch die ihr zum Glauben gekommen seid, und jeder, wie der Herr es ihm gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt. Wer pflanzt und wer begießt: Beide sind eins, jeder aber erhält seinen eigenen Lohn entsprechend seiner Mühe. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau. 1 Korinther 3,5-9

Gottes Bau – θεοῦ οἰκοδομή (gesprochen: theoû oikodomé) – Gott wird eindeutig als Eigentümer des Hauses vorgestellt. Die, die an diesem Haus mitarbeiten, sind bestenfalls Architekten, Maurer oder andere Handwerker:

Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. 1 Korinther 3,10-11

Noch einmal erinnert Paulus daran, dass der Bau nicht in der Verfügung derer steht, die am Aufbau mitwirken. Christus ist das Fundament, Gott selbst der Bauherr. Vor ihm müssen sich die verantworten, die den Bau errichten – oder aber auch die Errichtung des Baus gefährden:

Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: Das Werk eines jeden wird offenbar werden; denn der Tag wird es sichtbar machen, weil er sich mit Feuer offenbart. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, wird das Feuer prüfen. Hält das Werk stand, das er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören. Denn Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr. 1 Korinther 3,12-16

Pfusch am Bau?

Auch bei Paulus dient die Baumetaphorik vor allem zur Beschreibung des Wesens der Gemeinde und der in der Gemeinde wirkenden Personen. Es muss klar sein, dass die Mitarbeiter eben Mitarbeiter sind und nicht Bauherren der Gemeinde. Der Bauherr ist alleine Gott. So wie im wirklichen Leben, müssen sich Architekten und Handwerker vor dem Bauherr verantworten. Haben sie einen soliden Bau zustande gebracht oder gepfuscht. Selbst wenn die Gemeinde ein Tempel Gottes aus lebendigen Steinen ist, muss gefragt werden, welche irdisch-profanen Rahmenbedingungen es braucht, damit sie wachsen kann. So kommt Paulus im 11. Kapitel des 1. Korintherbriefes mit Blick auf das Herrenmahl erneut auf Parteiungen und Spaltungen der Gemeinde zu sprechen:

Wenn ich schon Anweisungen gebe: Das kann ich nicht loben, dass ihr nicht zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt. Zunächst höre ich, dass es Spaltungen unter euch gibt, wenn ihr als Gemeinde zusammenkommt; zum Teil glaube ich das auch. Denn es muss Parteiungen geben unter euch, damit die Bewährten unter euch offenkundig werden. Wenn ihr euch versammelt, ist das kein Essen des Herrenmahls; denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg und dann hungert der eine, während der andere betrunken ist. Könnt ihr denn nicht zu Hause essen und trinken? Oder verachtet ihr die Kirche Gottes? Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben? Was soll ich dazu sagen? Soll ich euch etwa loben? In diesem Fall kann ich euch nicht loben. 1 Korinther 11,17-22

Jenseits der Frage, dass das Haus aus lebendigen korinthischen Steinen erhebliche Setzrisse und Verwerfungen zeigt, fällt auf, dass Paulus hier mehrfach von “zusammenkommen” bzw. “versammeln” spricht; hier verwendet er das Wortfeld συνέρχομαι (gesprochen: synérchomai). Genau hierauf spielt aber auch der Begriff ἐκκλησία (ekklesía) an, der ursprünglich die griechische Volksversammlung auf der Agora bezeichnet. Wörtlich bedeutet ἐκκλησία das “Herausrufen” derer, die zur Versammlung kommen sollen. Genau diesen Begriff verwendet Paulus in 1 Korinther 11,22, wenn die Einheitsübersetzung 2016 übersetzt “Oder verachtet ihr die Kirche Gottes?”. Die Kirche Gottes ist ihrem Wesen nach “Versammlung Gottes”. Eine Versammlung aber braucht einen Platz, eine Agora, einen Ort – und das gerade nicht virtuell, denn das Herrenmahl, das κυριακὸν δεῖπνον (gesprochen kyriakòn deîpnon) hat in sich und per Definition eine zutiefst somatische Dimension: Kann man digital Brot und Wein teilen, von dem einen Leib Christi essen und aus dem einen Kelch trinken? Spätestens hier wird deutlich, dass das geistige Haus aus lebendigen Steinen eine realen Ort der Versammlung der ἐκκλησία braucht um eben das zu sein und erfahrbar werden zu lassen, was sie ist: Volksversammlung Gottes.

Versammlung - nah beim Haus!

Es wird schnell übersehen, dass die griechische Wendung für das Herrenmahl – κυριακὸν δεῖπνον (kyriakòn deîpnon) – prägend für das deutsche Wort “Kirche” ist. “Kirche” leitet sich eben von κυριακόν (kyriakón) ab; sie ist das dem Herrn Gehörende. Nicht nur benötigt die Versammlung der dem Herrn Gehörenden einen angemessenen Ort. Alle Beteiligten müssen sich auch immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass die Versammlung nicht dem eigenen Selbstzweck dient, sondern dem Aufbau des Hauses Gottes. Deshalb mahnt der Autor des bereits zitierten 1. Petrusbriefes:

Umgürtet euch und macht euch bereit! Seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch bei der Offenbarung Jesu Christi geschenkt wird! Als Kinder des Gehorsams gebt euch nicht den Begierden hin, wie früher in eurer Unwissenheit! Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch eure ganze Lebensführung heilig sein. Denn es steht geschrieben: Seid heilig, weil ich heilig bin! Und wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht! 1 Petrus 1,13-17

Die Berufung, von der in Vers 15 die Rede ist, wird mit dem Wort καλεῖν (gesprochen: kaleîn) umschrieben, von dem sich auch ἐκκλησία ableitet. Die Berufung führt zur Versammlung der Herausgerufenen. Noch bemerkenswerter aber ist der Zweck, den der Autor des 1. Petrusbriefes als Ziel der Versammlung angibt:

Und wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht! 1 Petrus 1,17

Es ist die Anrufung des Vaters in dem Bewusstsein, noch nicht am Ziel sondern in der Fremde zu sein. Die “Fremde” wird im Griechischen mit dem Wort παροικία (paroikía) wiedergeben, von dem sich nicht nur das lateinische parochia, sondern auch das deutsche Wort “Pfarrei” ableitet. Genau besehen ist παροικία ein Kompositum aus der Präposition παρά (gesprochen: pará – “neben”, “bei”) und dem Substantiv οἰκία (gesprochen: oikía – Haus, Hausgemeinschaft). Die παροικία ist also das, was dem Haus bzw. der Hausgemeinschaft nahe kommt. Der Fremde erweist sich eben da als fremd, wo er einer Hausgemeinschaft, zu der er nicht gehört, nahe wird. In seiner eigenen Hausgemeinschaft ist er nicht fremd.

Wider die Lust an der Assimilation

Die Gesellschaften der Gegenwart auf, dass sie die Integration von Fremden meist in der Form der Assimilation betreibt. Der Fremde fällt dann nicht näher auf, er stört nicht mehr. Die frühe Kirche hat dieser Gefahr nicht nur widerstanden. Sie hat sogar das eigene Fremdsein zelebriert, etwa wenn der Autor des 1. Petrusbriefes seine Adressaten auffordert:

Geliebte, da ihr Fremde und Gäste seid in dieser Welt, ermahne ich euch: Gebt den irdischen Begierden nicht nach, die gegen die Seele kämpfen! 1 Petrus 2,11

Auch hier ist wieder davon die Rede, dass die Christen παροίκοι (gesprochen: paroíkoi) sein sollen – Fremde, die gleichwohl “nah an der Hausgemeinschaft” sind. Besteht nicht gerade hier die große Gefahr vieler pastoralstrategischer Zukunftsplanungen, die Seelsorgebereiche, Großpfarreien und Sendungsräume bildet, die vieles sein mögen, nur nicht mehr “nah beim Haus”? Bringt die Zentrierung um die klerikale Funktion des Priesters nicht zum Ausdruck, dass er zum Fundament einer Gemeinde wird, das doch eigentlich Christus sein sollte? Erscheint bei solchen Überlegungen das Beschwören der Glaubenden, sie sollten doch endlich erkennen, dass sie als lebendige Steine wichtiger als Kirchenräume seien, nicht als Lippenbekenntnis, dem bei der Vollendung des Satzes der Atem stockt, wenn man doch auch das Priestertum eben dieser lebendigen Steine konsequent zu Ende denken müsste? Geht die Anrufung des Vaters nur dann, wenn ein Angesehener vorsteht? Und braucht die Versammlung des Volkes Gottes nicht angemessene Räume?

Wer hier vorschnell dem Abriss das Wort redet, sollte innehalten und sich den Thesenanschlag des Pfarrers der vom Abriss bedrohten Kirche St. Antonius Abbas in Essen-Schönebeck vor Augen führen8). Er zeugt von einem noch vitalen Leben einer Gemeinde, das nur deshalb gedeihen kann, weil es einen Ort gibt, in dem sich die Gemeinde versammeln kann – einen Ort, der so nah beim Haus ist, das auch Kinder, Alte und Menschen, die im Mobilitätszeitalter eben nicht so mobil sind, wie es die gerne hätten, die an Strategieplänen feilen, die bestenfalls Spielfiguren aufweisen, aber eben keine lebendigen Steine.

Kirchturmstachel

Die Kirche als Fremde nah beim Haus – das sind auch Kirchenräume in den immer säkularer werdenden Gesellschaften der Gegenwart. Gegen den Zwang wirtschaftlicher Erwägungen ist Widerstand meist zwecklos. Und ja: Wo ein Raum nur noch toter Stein ist, der keine Versammlung lebendiger Steine beherbergt, muss man den Gegebenheiten sachlich ins Auge blicken. Und doch muss hier auch über das rein Wirtschaftliche hinaus gedacht werden, wenn bei vielen Kirchenräumen bedacht wird, dass sie von den Gemeinden selbst mit Hand und Herz mit aufgebaut wurden. Oft steckt auch in toten Steinen viel von den lebendigen.

So oder so aber sind Kirchtürme auch heute noch wichtige Landmarken. Sie sind aber noch mehr: Der sakrale Raum hält in der säkularen Gesellschaft erwünscht oder unerwünscht den Gedanken an die Transzendenz wach9). Der gegenwärtig auch von manchem Bischof geschmähte Kirchturm ist immer noch ein heilsamer Stachel im Fleisch, der Gott eben nicht so schnell vergessen macht. Ein solcher Kirchturm fordert heraus, ist gerade deshalb lebendig, erzählt Geschichten – und ruft dreimal am Tag per Glockenschlag das Lob Gottes aus. Ist der wirklich nur tot? Wohl kaum! Verachtet mir die Kirchtürme nicht! Wo sie fehlen und man den lebendigen Steinen die Orte der Versammlung nimmt, da wird auch das Fundament der geistigen Häuser marode werden. Wer dem Abriss von Kirchen das Wort redet, muss zeigen, wo sich das Volk Gottes dann versammeln soll – nah beim Haus! Gott selbst ist es, der als Bauherr Rechenschaft verlangen wird.

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Bildnachweis

Titelbild:Nikolaikirche Kiel (13) (Rüdiger Stehn – Ausschnittbearbeitung: Werner Kleine) – Quelle: flickr – lizenziert als CC BY-SA 2.0.

Video: Kath 2:30 – Episode 13 – Gemeinde oder Gemeinschaft – Teil 3 (Katholische Citykirche Wuppertal/Christoph Schönbach) – Quelle: Vimeo – alle Rechte vorbehalten.

Einzelnachweis   [ + ]

1. Dieser Beitrag versteht sich als Antwort und Weiterführung des Dei-Verbum-Beitrages “Abriss und Aufbau” von Dr. Till Magnus Steiner – Quelle: http://www.dei-verbum.de/abriss-und-aufbau/ [Stand: 21. Januar 2018].
2. Vgl. hierzu etwa https://www.nrz.de/region/die-kirche-ist-nicht-mehr-im-dorf-immerather-dom-abgerissen-id213051831.html [Stand: 21. Januar 2018].
3. Siehe https://www.nrz.de/staedte/essen/kirche-in-essen-schwankt-zwischen-aufbruch-und-abriss-id212758559.html [Stand 21. Januar 2018].
4. Vgl. https://www.waz.de/staedte/essen/im-fall-essen-schoenebeck-muessen-wir-miteinander-reden-id213156061.html [Stand: 21. Januar 2018].
5. Vgl. hierzu Erik Flügge, Kirchenschließung: Gott sei Dank, 11.1.2018, Quelle: http://erikfluegge.de/kirchenschliessung-gott-sei-dank/ [Stand: 21. Januar 2018].
6. Vgl. hierzu Norbert Bauer, Abriss und Kündigung, 14.1.2018, Quelle: http://theosalon.blogspot.de/2018/01/abriss-und-kundigung.html [Stand: 21. Januar 2018].
7. So etwa der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck in seiner Predigt am Neujahrstag 2018 (Quelle: https://www.bistum-essen.de/fileadmin/relaunch/Bilder/Bistum/Bischof/Texte_Ruhrbischof/Neujahr_01.01.2018_18.12.17.pdf [Stand: 21. Januar 2018]).
8. Quelle: https://img.waz.de/img/archiv-daten/crop213156051/5581284082-h480-cv2_3-q85/picture-173482052.jpg [Stand: 21. Januar 2018].
9. Vgl. hierzu auch Norbert Bauer, Abriss und Kündigung, 14.1.2018, Quelle: http://theosalon.blogspot.de/2018/01/abriss-und-kundigung.html [Stand: 21. Januar 2018], der angesichts geplanter Umbauten in der Kölner Kirche St. Michael feststellt: “Der neoromanische Kirchenbau von St. Michael ist für die Gottesdienstgemeinde viel zu groß. Meistens reichen die Bänke in der Apsis für die nicht ganz so jungen Gottesdienstbesucher. Daher entwickelten Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstände erste Ideen, um den Kirchenraum zu verkleinern. Büro- und Versammlungsräume sollten durch kluge Architektur im großen Kirchenschiff Platz finden. Diese ersten wagen Plänen stellten wir Menschen vor, denen wir sonntags nicht im Gottesdienst begegnen. Wir luden ortssässige Gastronomen, Kreative aus den umliegenden Bürogemeinschaften und Vertreter der Politik samstags morgen in die Kirche ein. Und die zeigten uns die rote Karte: ‚Die ganze Stadt wird verdichtet – und jetzt fangt ihr auch noch damit an.’ ‚Wenn ich meine Ruhe haben will, gehe ich hier die Kirche. Hier habe ich kein Handyempfang.’ ‚Ich freue mich immer über diesen schönen Raum. Ich muß noch nicht einmal Eintritt bezahlen.’ Diese wenigen Statements zeigen, dass ein Kirchenraum offenbar mehr ist als ein Zweckbau für Gottesdienste. Er in einer kommerzialisierten Gesellschaft für viele Menschen ein Ort, der nicht der kurzfristigen Gewinnmaximierung unterworfen ist, sondern einer Ahnung von Heiligkeit Raum gibt. Nicht zuletzt deswegen zahlen sie weiterhin Kirchensteuern.”
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